Druckschrift 
2 (1813) Das Koenigreich Jerusalem und die Kämpfe der Christen wider die Ungläubigen bis zu dem Verluste der Grafschaft Edessa und dem Kreuzzuge der Könige Conrad des III. und Ludwig des VII im Jahre 1146
Entstehung
Seite
238
Einzelbild herunterladen
 

2 z 3 Geschichte d e r K r e u z z ü g e. B u ch. II. K a p. XVI.

schens gegen den Neid ihrer Feinde am Hofe zu Bagdadminderte oftmals ihren Eifer und machte sie selbst zu gefähr-lichen Feinden ihres Oberherrn. So oft sie aber dem Ge-bote des Sultans gehorsam und die Streitigkeiten, durchwelche sie entzweyt wurden, vergessend, ihre Scharen zumKampfe wider das Kreuz vereinigten, so ward auch das Herzdes tapfersten Kreuzritters von Bangigkeit ergriffen. ^

Selbst die Macht des Fürsten Rodvan von Halcb, ob-gleich der König Balduin noch als Graf von Edessa seinenVerwandten im Vaterlande bald Nachricht zu geben ver-sprochen, daß er Herr von Haleb geworden sey, war auchnach der Niederlage bey Kellah noch nicht vernichtet, underhob sich sogar einige Male, begünstigt durch die Drang-sale der Christen, mit erneuerter Furchtbarkeit. Sein Gebieterstreckte sich an der ganzen Länge des Fürstenthumö von An-tiochien von Mittag gegen Mitternacht und gränzte auch mitder Grafschaft Edessa zusammen. Wenn er auch, derJrr-gläubigkeit bey den rechtgläubigen Muselmännern verdächtig,sich mit den übrigen türkischen Fürsten nur selten zu ge-meinschaftlichem Kampfe wider die Christen vereinigte, oftaber, den Haß seiner Glaubensgenossen mehr als die Machtder Christen fürchtend, ihre Unternehmungen hinderte, sowar er doch durch Pflicht und Rücksicht auf seinen eigenenVortheil hinlänglich aufgefordert, unversöhnlicher Feind derchristlichen Ritter zu feyn. Er hatte an den Franken dasBlut so mancher erschlagener Waffengefährten und selbst dasBlut seines Schwiegervaters, des alten Fürsten BagiSejanvon Antiochien, zu rächen; und fühlte er auch dadurch nichtzum Kampfe sich gereizt, so mußte sein niedriger Geiz ihnmahnen, den Christen zu widerstreben, welchen er nicht nur