Dieser Vermiß wirkte so stark, daß der, welcher Ihn erhielt, ei«übrigens ehrliebender und sehr zartfühlender Mann, sich veranlaß,sah, Tags daraus eine Audienz zu erbitten, wobei er um seine«Abschied ansuchen wollte. Die Audienz wurde ihm zugestanden,und so wie ihn der Kaiser erblickte, sagte er zu ihm: „Sie koni.men, Lieber! wegen unsres gestrigen Gesprächs; es hat sie betrüb,;mich nicht minder; aber das war ein Denkzeddel, den ich viele«geben wollte, und wenn ich damit etwas Gutes gestiftet habe, mußes nnS beide trösten. Nun kein Wort weiter davon!" und j,h,sprach er von andern Dingen.
Auf diese Weise griff der Kaiser oft durch Worte, die er a«einen Einzelnen richtete, ganze Massen an. Er that es dann milvielem Aufsehen, damit inan desto betroffener seyn sollte. Ab,,dieser Zorn war nur angenommen, nur erkünstelt. Der Kais« iversicherte, er habe damit sehr oft Vergehungen abgew endet, Msich viele Bestrafungen erspart.
Einst wendete er sich bei einer seiner großen Audienzen mit dngrößten Heftigkeit und ganz im Tone des Zornes gegen einen Ob«,sten, dessen Regiment bei der Rückkehr nach Frankreich sich ma«.cherlei leichte Vergehungen gegen die Einwohner des Landes, mes durchmarschiret war, zu Schulden gebracht hatte. Da nun derOberste glaubte, daß die Strafe ungleich härter sey, als er ßeverdient habe, suchte er immer von Neuem sich zu entschuldigen,und der Kaiser sagte, ohne den öffentlichen Verweis abzubrechen,immer lUse zu ihm: „Es ist gut, aber schweigen Sie nur. — Ichglaube Ihnen, aber bleiben Sie nur ruhig, — und wie er ihndann später allein wiedersah, äußerte er: „Ich geissclte in IhnenGenerale, die um Sie her standen, und die, hätte lch mich direktan sie wenden wollen, die tiefste Dezratation, vielleicht noch Hör-reres verdient haben würden."
Aber eben so, wie der Kaiser bisweilen öffentlich angriff, be-gegnete es auch ihm dann und wann in gleichem Maaße. Ich bi»mehrmals selbst davon Zeuge gewesen.
Eines Tages ist zu Saint-Cloud große Sonntags-Audienz, unddicht neben mir steht ein Unterpräfekt oder andrer PiemontesischerBeamter, der auf einmal mit verstörtem Gesicht, ganz außer sich,ihn mit überlauter Stimme anredct, und wegen seiner AbsetzungGerechtigkeit fodert, indem er behauptete, daß er fälschlich ange-klagt und verurtheilt worden sey. „Gehen Sie an meine Mini-ster," antwortete der Kaiser. „Nein Sire! von Ihnen will ich ge-richtet seyn." „Das kann Ich nicht, ich habe dazu nicht Zeit, ichmuß mich mit dem ganzen Reiche beschäftigen." „Meine Ministersind da, um für die Einzelnen zu sorgen." „Aber diese werden