Druckschrift 
5 (1823)
Entstehung
Seite
65
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!» tam, mußte ich ihm in sein Zimmer folgen. „2ch bin traurig,» habe Langeweile und Schmerzen, sagte er; sehen Sie sich in die.i, sen Lehnstuhl und leisten Sie mir Gesellschaft." Er streck» sichi, guf sein Kanapee, schloß die Augen, schlief ein und ich bewachte» ihn! —

s, , Sein Kopf war unbedeckt; zwei Schritte nur von ihm entferntl> hetrachtcte ich seine Stirn — ich las aus dieser Stirn Marengo,Austerlitz und hundert andere unsterbliche Züge. Welche Gedanken,, «elche Gefühle durchdrangen in diesem Augenblick mein Inneres!i> Begreife es, wer da kann. Es zu beschreiben vermag ich nie! —i ^ Nach drei Viertelstunden stand der Kaiser auf, gieng einigemalf ln seinem Zimmer auf und nieder und hatte den Einfall, alle die

- ynsrigen zu besuchen. Indem er jetzt die sämmtlichen Unbequem»« lichkeiten des meinigcn nach einander aufzählte, lachte er vor Un»li willen und sagte im Fortgehen: „Nein, unmöglich kann es einen« Christen geben, der schlechter unter Dach und Fach wäre, als so."« Nach dem Diner versuchte der Kaiser, das CaravanserailI. von Sarrazin durchzublättcrn. Er gieng über einige Erzählun-

gen hin, ohne sich dabei aufzuhalten. Als er von einer derselbeneinige Seiten gelesen hatte, sagte er: „Die Moral daraus wirdgewiß die seyn, daß die Menschen sich immer gleich blie»

> den. Das ist aber nicht wahr; sie verändern sich zum Bösen>, wie zum Guten. Es ist wie mit einer Menge anderer von denr Schriftstellern gleichsam geheiligter und doch ganz falscher Maxi,r men. Die Menschen sind undankbar, sagen sie. Nein!!l «s ist nicht wahr. Sie sind so undankbar nicht, als man sie!i verschreit, und wenn man sich so oft darüber beklagt hat, so magS es wohl daran liegen, daß die Wohlthäter noch mehr fordern, alS

sie geben.

„So wird man Ihnen auch sagen, daß, wenn man denCharakter eines Menschen kenne, man den Schlüsselzu seinem ganzen Benehmen habe. Das ist grundfalsch!

> Der eine begeht eine schlechte Handlung und ist doch eigentlich

S ein rechtlicher Mensch, der andre eine boshafte, ohne bös zu scyn.I Das kommt daher, weil der Mensch fast nie nach dem natürlichen, Antriebe seines Charakters, sondern nach einer geheimen äugen»i blicklichen Leidenschaft handelt, die in den tiefsten Falten seines

k HerzenS ihren Grund hat, und dort verborgen liegt. Ein solcher

t Irrchum ist es ferner, wenn man Ihnen sagt: das Gesicht ist1 der Spiegel der Seele. Das Wahre von der Sache ist,

daß man den Menschen sehr schwer kennen lernt und man ihn,

wenn man sich nicht täuschen will, blos nach seinen Handlungen

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