Druckschrift 
5 (1823)
Entstehung
Seite
63
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Seele stecS über das Kleinliche. Der Stolz und ein edler Ehr-geiz waren mächtiger in ihr, alS die Habsucht."

Hierbei bemerkte der Kaiser, daß er sich bis zu dieser Stundeso mancher Lektion erinnere, welche sie ihm mit jenem Stolze inseiner Kindheit gegeben und wovon die Wirkung sein ganzes Lebenhindurch fortgedauerc habe Die Kaiserin Mutter hatte eine starke,durch große Ereignisse gestählte Seele. Sie hatte fünf oder sechsRevolutionen erlebt; ihr Haus in Korsika war dreimal durch Par»kheienwulh niedergebrannt worden.

„Joseph hat mich nicht sehr unterstützt ; er ist jedoch einsehr guter Mensch. Die Königin Julie ist daS beste Wesen,das jemals gelebt hat. Joseph und ich haben uns stets sehr ge-liebt und sehr gut vertragen; er liebt mich recht ausrichtig. Erwürde, das bin ich sest überzeugt, alles in der Welt sür michthun! Aber alle seine guten Eigenschaften gehen nur den Privat-mann an; er ist ausnehmend gut und sanft; er hat Geist; er istunterhaltend und höchst liebenswürdig. In den höhcrn Geschäften,dip ich ihm auvcrcraut harre, thac er, was er konnte; seine Ab-sicht war immer gut und der Hauptfehler hierbei lag nicht an ihm— wohl aber an mir, da ich ihn über seine Sphäre hinausge-schleudert hatte. In den Hähern Angelegenheiten war die Aufgabeseinen Kräften nicht angemessen.

„Die Königin von Neapel war durch die Ereignisse derZeit sehr gebildet worden. Es war ein mächtiger Stoff in ihr

Kaum balle ich die Kaiserin Mutter vo» der Lage in Kennt-lich geseift, worinncn sich der Kaiser befinde, und ihr meine» Ent-schluß bekannt gemacht, mich ganz dein Geschäft zu weihen, ihmeinige Linderung seiner Leiden zu verschaffen, als ich scheu mitumgehender Post die Antwort erhielt, daß ihr ganzes Aermögcnihrem Sohne augchöre, daß sie, wenn cs sehn müßte, sich alseine gemeine Magd behclscn wolle, wobei sie, obschon ich ihr nichtpersönlich bekannt war, mich doch bevollmächtigte, diejenige Sum-me zu beziehen, welche ich für erforderlich Hallen möchte, um aufsVeste sür den Kaiser sorgen zu können. Der Kardinal Fesch verbandhiermit ein gleiches Anerbieten in den rührendsten Ausdrücken und ichmuh hier cs öffentlich erklären, daß alle Glieder der Familie dcSKaisers sich besircbt-n, ihm gleichen Eifer, gleiche Liebe, gleicheErgebenheit zu beweisen. So lauge mir meine Gesundheit er-laubte, mit ihnen Briese zu wechseln, habe ich eine Menge vonZuschriften vo» ihnen erhalten, welche zusammen ein höchst rüh-rendes Ganzes bilden müßten. Sic gereichen ihren Herzen zurEhre und würden dem Kaiser z» einem süßen Trost gedient haben,wenn die englischen Beschränkungen mich nicht behindert hätte»,sie ihm zukommcn zu lassen.