Druckschrift 
5 (1823)
Entstehung
Seite
19
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FresiagS, den 10. Mal.

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DaS Wetter war abscheulich — auszugehen ganz unmöglich.Der Kaiser sah sich genöthigt, nur im Speisesaal auf und abzu-wandern; er lies im Salon Feuer anmachen und begann mit demGroßmarschall Schach zu spielen. Nach dem Diner las er unsdie Geschichte Josephs in der Bibel und dann Avdromache vonRacine vor.

Es waren gestern-Abend mehrere Schiffe — die Flotte vonBengalen — eingelaufen. Lady London, die Gemahlin des Ge»neralgouverneurs von Indien, Lord Moira, befand sich unter denPassagiers.

Als heute im Lauf der Unterhaltung der Name Ho che ge»nannt wurde, sagte jemand in der Gesellschaft, daß dieser damalsnoch sehr jung gewesen sey, aber viel Hoffnung gegeben habe.„Sagen Sie vielmehr," erwiederte Napoleon, „daß er sie schonvollkommen gerechtfertigt hatte." Sie hätten sich einander gesehen»fuhr er fort, und zwei oder dreimal zusammen gesprochen. Hochebesaß einen Grad von Achtung für ihn, der an Bewunderunggrenzte. Napoleon trug kein Bedenken, zu sagen, daß er denVorzug eines bessern Unterrichts und einer sorgsamem Erziehungüber Hoche gehabt habe und gab übrigens folgenden großen Un-terschied zwischen ihnen an: „Hoche, sagte er, suchte stets, sicheine Parthei zu machen, warb sich aber dadurch nur Kreaturen;ich hatte eine unermeßliche Zahl von Anhängern, ohne daß ichjemals die Popularität suchte. Außerdem besaß Hoche einen feind-seligen beleidigenden Ehrgeiz; er war der Mann dazu, mit 250 oc>Mann nach Straßburg zu gehen, und sich des Gouvernements mitGewalt zu bemächtigen, indessen ich stets nur eine duldende, vondem Geist der Zeit geleitete und von den momentanen Umständenabhängende Politik ausübte."

Der Kaiser fügte hinzu, Hoche würde späterhin sich entwedergehörig in Reihe und Glied gestellt haben, oder sich von ihm —Napoleon — haben erdrücken lassen; da Hoche aber Geld undVergnügungen geliebt, so zweifele er nicht an dem erstem. Mo-reau, in dem nämlichen Verhältnisse, habe weder das eine nochdaS andere vermocht. Napoleon machte auch nichts aus ihm undbetrachtete ihn als gänzlich unfähig, ohne jedoch deshalb dessenmilitärischen Verdiensten zu nahe treten zu wollen. „Er war einschwacher Mensch, sagte er, den seine Umgebungen leiteten, undder knechtisch unter den Befehlen seiner Frau stand — ein Gene-ral von der alten Monarchie.