892 Drittes Kapitel. Schuldverliältnisse aus unerlaubten Handlungen.
rechter), die um konkrete Ausgestaltung ringen, zum Durchbruchverholten. Insbesondere hat das Reichsgericht immer entschiedenerdas Recht auf Achtung eines bestehenden Gewerbebetriebes grund-sätzlich als ein subjektives Recht anerkannt, das auch durch Ein-griffe, die nicht behufs unlauteren Wettbewerbes erfolgen, im Sinnedes § 823 1 verletzt werden kann 40 .
Zu den dem Eigentum gleichgestellten Rechten gehört fernerder Besitz 41 .
An sich fallen endlich auch relative Rechte und somitnamentlich Forderungsrechte unter den Begriff der „sonstigenRechte“ 42 . Es ist willkürlich, wenn die herrschende Meinung sievon vornherein ausschliefst 43 . Gleichwohl ist es richtig, dafs
deutung weit hinter die Vorfrage zurück, ob eben ein „sonstiges Recht“, dasverletzt werden konnte, vorhanden ist. Die Kasuistik bietet also weniger fürdie Lehre von den unerlaubten Handlungen, als für die Lehre von den Per-sönlichkeitsrechten ein wissenschaftliches Interesse.
40 Vgl. bes. R.G. XLVIII Nr. 29, Nr. 61 S. 280, LI Nr. 86 S. 374, LVINr. 72 S. 276, LVIII Nr. 6, LXIV Nr. 15, LXV Nr. 55, LXXIII Nr. 26 S. 111 ff.,LXXVII Nr. 58. Doch mufs die Handlung natürlich widerrechtlich sein;
R. Ger. LXIV 55, Seuff. LX Nr. 122. Auch fordert das R.Ger., dafs sie sichunmittelbar gegen den Bestand des Betriebes richte; LXXIII 112, LXXVII 219,Seuff. LXX Nr. 177. Dem ärztlichen Beruf wird der Schutz aus § 823 1 ver-sagt; R.Ger. LXIV Nr. 37. Das Recht auf Betätigung der Arbeitskraft istnoch nicht durchgedrungen; R.Ger. LI Nr. 86 S. 372 ff., LVI Nr. 72 S. 275,Gruchot LID 1007; vgl. für dasselbe Riezler, Arcli. f. b. R. XXVII 219 ff.—
§ Gegen die Praxis des R.Ger. erklären sich bes. Planck zu § 823 II 1 fy,
v. Tuhr, Allg. T. I 155 ff., C o sa ck § 163 Anm. 9, II. Lehman n, Grund-linien des Industrierechts (Festsehr. f. Zitelmann) 1913, S. 28. Vgl. aber Oert-mann zu § 823 Bern. 3b, Enneccerus § 451 Anm. 7, Isay, Recht am Unter-nehmen, 1910, Schulz-Schliff er I 21411. Über den Stand der StreitfrageRaape zu Dernburg 4 §383 Anm. 12, Scliulz-Schäffer a. a. 0. S.205ff —Näheres im Gewerberecht.
41 v. Liszt S. 21, Kipp S. 948, Linckelmann, Arcli. f. b. R. XIII 85,Enneccerus § 451 I 1 d, Oertmann, Bern. 3 e. Komm. d. R.G.R., Bern. 9,oben Bd. II 214 Anm. 14; a. M. Planck, Bern. II 1 fff. — Entziehung oderStörung des Besitzes durch verbotene Eigenmacht ist auch auf Grund von§ 823 2 nach B.G.B. § 858 1 unerlaubte Handlung.
42 So v. Liszt S. 21, Co sack § 163 I 1 a, § 164 II 1, Cohn b. GruchotXLIII 388, Stammler S. 10, Köhler § 191 III, Ebbecke im Recht, 1912,
S. 252 ff, früher auch Kipp zu Windscheid 8 S. 887. Desgleichen, jedoch mitEinschränkungen, Enneccerus § 451 I ld, Crome § 325 II 46, Planck,Bern. II 1 ff, He 11 wi g, Anspruch S. 42 ff., D ü m che n, Jahrb. f. D. LIV 384 ff.,Goldmann b. Gruchot LIV 56ff.; sachlich auch Schollmeyer S. 221 (trotzder grundsätzlichen Verneinung auf S. 220).
43 So Oertmann, Festschr. f. Dernburg, 1900, S. 61 ff, O. Chr. Fischer,Die Verletzung des Gläubigerrechts als unerlaubte Handlung, 1905, Linckel-