814 Zweites Kapitel. Schuldverhältnisse aus Rechtsgeschäften.
Spielzwecken gegebenen Darlehen als unklagbar behandelt 86 . Dadie Aufnahme einer derartigen Vorschrift in das B.G.B. abgelehntist, aus allgemeinen Grundsätzen aber die Unklagbarkeit desSpieldarlehens nicht herzuleiten ist, kann heute die Hingabe desGeldes zu Spielzwecken nicht als hinreichender Grund betrachtetwerden, die Darlehnsklage zu versagen 37 . Ebenso ist ein Auftrag,ein Dienstvertrag oder ein Gesellschaftsvertrag zu Spielzweckennicht schon an sich unklagbar; ein Anspruch auf Vornahme desSpiels kann freilich aus solchen Verträgen nicht entstehen 38 , wohlaber kann, wenn vereinbartermafsen gespielt ist, der Auftraggeberauf Herausgabe des Spielgewinns und der Beauftragte auf Ersatzseiner Aufwendungen einschliefslich des bezahlten Spielverlustes,der Gesellschafter auf Gewinnverteilung oder Verlustausgleichungklagen 39 .
III. Wette.
1. Begriff. Wette ist die Vereinbarung, durch die sichJemand für den Fall, dafs sich eine von ihm aufgestellte Behaup-
36 Vgl. für das gern. R. Glü ck XI 334ff., Wilda S.190ft'., Bruck S. 46,Seuff. XXX Nr. 245, XXXIII Nr. 27. Ältere Partikularreclite b. Stobbe-Lehmann § 245 Anm. 25. Preufs. L.R. I, 11 § 581, dazu R.O.I1.G. XVI 299ff.,XVIII 110 ff. — Festgehalten im Schweiz. O.R. a. 513 (früher 512).
37 Crome § 289, 3, Endemann § 187 Anm. 10, Enneccerus | 409 II1,Planck Bern. 10a, Staudinger Bern. VI, 3, Oertmann Bern. 4d; R.Ger.LXVII Nr. 89, LXX Nr. 1, Rspr. d. O.L.G. V 103 ff., VI 448, VIII 83, XII 93,XVIII 34, Seuff LVII Nr. 172, LX Nr. 74. Wohl aber kann den Umständennach das Spieldarlehen gegen die guten Sitten verstofsen und darum nach§ 138 nichtig sein; vgl. R.Ger. a. a. O. u. die Entsch. der O.L.G. (Die An-nahme von Dernburg § 212 III, dafs dies bei jedem zur Ermöglichung desSpiels gegebenen Darlehen der Fall sei, geht zu weit.) — Über das österr. R.Krainz-Pfaff-Ehrenzweig a. a. 0. § 390, 2.
58 Daher auch nicht auf Schadensersatz wegen Nichterfüllung; R.Ger.XL Nr. 71. A. M. Staub, D.J.Z. 1903 S. 19 u. Exkurs zu H.G.B. § 376 Anm. 60;früher auch Oertmann zu § 762.
39 Übereinstimmend Crome § 289, 3, Staudinger Bern. VI 1—2, Oert-mann 3 Bern. 4e—g, Schreiber, Schuld u. Haftung S. 95 ff.; auch Rspr. d.O.L.G. IV 232, XII 94, Seuff. LX Nr. 64, und für den GesellschaftsvertragR.Ger. XL Nr. 71, XLIII Nr. 36, Seuff LIV Nr. 149. Abweichend Cosack§ 156 IV (eine Klage auf Herausgabe des Gewinnes sei unzulässig) u. PlanckBern. 10b—d, Dernburg § 212 II u. Enneccerus § 409 II 1 (der auftrags-weise Spielende könne seine Aufwendungen nur vom gemachten Gewinne ab-ziehen); gegen die Zulässigkeit einer Ersatzklage auch R.Ger. LI Nr. 35, LIXNr. 56, Gruchot XLVII 932, Rspr. d. O.L.G. I 373ff., XII 96, 275ff. - DerVertrag kann aber im einzelnen Falle wegen Verstofses gegen die guten Sittenoder, weil es sich um ein verbotenes Spiel handelt, nichtig sein. Vgl. auchR.Ger. b. Seuff. LXI Nr. 202 (die Frage sei konkret zu entscheiden).