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Zweites Kapitel. Schuldverhältnisse aus Rechtsgeschäften.
§ 205. Verlagsvertrag 1 .
I. Geschichte. Der Verlagsvertrag hat sich in engem Zu-sammenhänge mit der Ausbildung des Urheberrechts unter An-passung an dessen verschiedene Werdestufen 2 3 * * * als eigenartigerVertrag entwickelt. Seinen Ausgang nahm er vom Buchhandel,indem Buchhändler als „Verleger“ über Schriftwerke, die sie durchden Buchdruck vervielfältigen und verbreiten wollten, Verträgemit den Verfassern abschlossen. Bis heute bildet der Buchverlagsein Hauptanwendungsgebiet. Mit der Vervielfältigung von Werkender Tonkunst durch den Notendruck trat der Musikalienverlag,mit der Vervielfältigung von Kunstwerken durch die immer mannig-facher ausgestalteten Reproduktionsverfahren der Kunstverlag hinzu.
Das Recht des Verlagsvertrages empfing seine Gestalt durchdie Verkehrssitte und ihre Verdichtung zu Gewohnheitsrecht. Dieneuereu Gesetzbücher stellten gesetzliche Regeln für den Verlags-vertrag auf 8 . Dagegen nahm ihn das deutsche B.G.B. nicht auf,überliefs ihn vielmehr dem Landesrecht (E.G. a. 76). Die in Deutsch-land geltenden landesgesetzlichen Vorschriften indefs waren bereitsin vielen Punkten veraltet und durch neuere Übungen verdrängt,
1 Yon den oben Bd. I § 85 Anm. 1 angef. Werken über das Urheber-recht behandeln zugleich den Verlagsvertrag namentlich: 0. Wächter, DasVerlagsrecht (bes. § 21), Das Autorrecht (S. 107 ff.); Kloster mann, Dasgeistige Eigentum I 293ff., Das Urheberrecht S. 144ff.; Gerber in ges. Abh.S. 280 ff.; Schürmann, Die Rechtsverhältnisse der Autoren u. Verleger, 2.Aufl.1897. — Über das frühere gern. R. die Werke über deut. Privatr. von Walter§ 320 ff., Gerber § 200, Gengier S. 524 ff., Beseler § 212, Stobbe-Leh-mann § 251; ferner die handelsrechtlichen Werke v. Thöl § 207, Gold-schmidt I 2 S. 643ff., Endemann § 173, Klostermann in EndemannsHandb. III 714ff.; dazu Voigtländer, Das Verlagsrecht 2 , 1893. — Überpreufs. R. Förster-Eccius II § 134, Dernburg II § 210; österr. R. Krainz-Pfaff-Ehrenzweig § 376 1; wiirtt. R. Reysclier II §451; Schweiz. R.Jos. Müller, Der Verlagsvertrag nach Schweiz. R., 1905. — Zum deut. Ges.über das Verlagsrecht v. 1901 Kommentare von A11 fe 1 d (1902), Kuhlen-b e c k (1901) S. 208 ff., E. M ü 11 e r (1901) I 301 ff., V o i g 11 ä n d e r (1901). FernerKöhler, Urheberrecht an Schriftwerken und Verlagsrecht, 1906, S. 291 ff.E. Riezler, Deutsches Urheberrecht und Erfinderrecht, Bd. I, 1909, S. 314ff.Lehrb. des B.R. v. Crome § 274, II. Dernburg VI (herausg. v. Köhler) § 47ff.Lehrb. des H.R. v. Gareis § 59, Cosack § 108ff, K. Lehmann § 196.
2 Vgl. oben Bd. I 750 ff.
3 Preufs. A.L.R. I, 11 § 996 ff. (unter den Verträgen über Handlungen)
Bad. L.R. s. 577 da—dh. Österr. Gb. § 1164 ff. (unter den entgeltlichen Verträgen
über Dienstleistungen); dazu Urheberrechtsges. § 16. Sachs. Gb. § 1139ff.
Schweiz. O.R. a. 272 ff., neues a. 380 ff. (mit geringen Änderungen).