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Zweites Kapitel. Sclnüdverkältnisse aus Rechtsgeschäften.
dürfe 97 . Andere Gesetze erlaubten den Kaufleuten, Zinsen bis zu6 vom Hundert zu nehmen 98 . Bei einzelnen Arten von Darlehenwurde die Ausbedingung noch höherer Zinsen zugelassen 99 . Zu-gleich wurden die sonstigen römischrechtlichen Beschränkungender Zinsverbindlichkeit aufgenommen 10 °.
Im 19. Jahrhundert wurden die festen Zinstaxen mehr und mehrals willkürliche Einschränkungen der Yertragsfreiheit empfundenund endlich ab geschafft 101 . Für ganz Deutschland hob sie dasHandelsgesetzbuch bei kaufmännischen Darlehen auf 102 . Allgemeinbeseitigte sie das norddeutsche Bundesgesetz vom 14. November
97 Nürnb. Ref. v. 1564 XIII, 3, Frankf. Ref. II, 11 § 11, Lüneb. Ref. II,11 § 5; Beseler § 114 Anm. 11; Stobbe-Lehinann Anm. 37.
98 Zürck. Ges. v. 1653 b. Bluntschli II 263; Braunschw. R. b. Stein-acker S. 255; Württemb. R. v. 1798 b. Wächter I 500; Preufs. L.R. I, 11§ 805; Franzos. Ges. v. 3. Sept. 1807 a. 1.
99 So durften nach Preufs. L.R. I, 11 § 805—806 Juden, falls sie nicht■die Rechte christlicher Kaufleute hatten, 8 v. II. nehmen; aufgehoben durchDeklar. v. 20. April 1813. Besondere höhere Zinsmaxima galten für die Dar-lehen öffentlicher Pfandleiher; Preufs. L.R. I, 11 § 809, 20 § 269, Pfand- undLeihreglement v. 13. März 1787 § 90—96, Kab.O. v. 28. Juni 1826 Z. 7. All-gemein liefs die Sachs. Publ.Y. § 4 bei kleinen kurzfristigen Darlehen 8 v. H. zu.
700 So das Verbot des Anatozismus; gemeines R. b. Windscheid § 261An m. 2, Preufs. L.R. I, 11 § 810ff., Öst. Gb. § 998, Sachs. Gb. § 679—680;andere Partikularrechte b. Stobbe-Lelimann § 236 Anm. 57—59. —■ Fernerdas Verbot des Zinsenlaufes ultra alterum tantum; vgl. über das gemeine Rechtund die Abschwächungen der Praxis Windscheid a. a. O. Anm. 3, Stobbe-L eh mann § 236 Anm. 46—49 u. 52; Partikularrechte ebd. Anm. § 51 u. 53.Aufgehoben im Preufs. L.R. I, 11 § 851, Sachs. Gb. § 682 und für Handels-geschäfte im A.D.H.G. art. 293. — Dazu das Verbot des Vorabzugs der Zinsenvom Kapital im Preufs. L.R. I, 11 § 815 ff., Sachs. Gb. § 683.
i°i ygp tiber diese Entwicklung Goldschmidt, Verk. des VI. Deut.Juristent. 1865 I 225 f.; Hinschius, Z. f. Gesetzg. u. Rechtspflege in PreußenII 14 ff., 336 ff.; Lexis a. a. O. S. 973 ff.; v. Schey a. a. 0. S. 137 ff.; Hede-mann, Die Fortschritte des Zivilrechts im 19. Jahrli., T. I, Berlin 1910, S. 9 ff. —Für den kaufmännischen Grofsverkehr gewährte schon das Preufs. A.L.R. II,8 § 692 Zinsfreiheit. Vgl. dazu auch Sächs. Publ. V. § 4. Allen Wechselfähigenentzog ein Württ. Ges. v. 2. Okt. 1839 den Schutz der Wuchergesetze. Dievöllige Aufhebung der Wucherverbote erfolgte 1858 in Bremen, Oldenburg u.Sachsen-Weimar, 1860 in Ivoburg-Gotha, 1862 in Lübeck, 1864 in Frankfurt a. M.und im Königr. Sachsen, 1865 in Hamburg, 1867 in Preufsen, Braunschweigund Meiningen. — In Österreich, wo schon Joseph II. es mit der Zinsfreiheitversucht hatte, wurde sie durch Ges. v. 14. Juni 1868 eingeführt. — In Frank-reich enthielt der Code civ. keine Zinsbeschränkungen, doch stellte sie schondas Ges. v. 3. Sept. 1807 wieder her; erst 1886 wurden sie für den Handels-verkehr beseitigt.
102 A.D.H.G. a. 292.