Druckschrift 
2 (1839)
Entstehung
Seite
929
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Vierhundert und achtundneunzigstc Nacht. H29

Nähe gesehnt; laß nur auch dein Weibchen heruntcrsteigen, daß eS höre, was nurzugcstoßen." Das Weibchen kam auch herunter, bewillkommtc die Ente und sagte ihr:Sey nur ohne Furcht, woher soll ein Mensch ans diese Insel, mitten im tobendenMeere, kommen? sey nur ganz ruhig, es kann Niemand zu uns gelangen; erzähle mir,was dir zugestoßen und warum du die Menschen so fürchtest?" Da begann die Ente:Wisse, o Pfau! ich bringe nun mein ganzes Leben schon in Sicherheit auf dieserInsel zu und wußte von nichts Bösem. Eines Nachts erschien mir im Traume einMensch, der sich mit mir unterhielt; darauf hörte ich eine Stimme, welche mir zurief:O Ente! hüte dich vor dem Menschen, laß dich nicht verführen durch seine süßen Worte,denn du hast nur Unglück von ihm zu erwarten, weil er gar zu listig ist. Nimm dichwohl in Acht, denn wisse, haß der Mensch durch List die größten Mcerungehcuer zufangen versteht und mit seiner Flinte die Vögel in der Luft zu sich herunterzicht; erstürzt den Elephanten in eine Grube und zieht den Drachen mit den Haaren herbei.Niemand ist vor der List der Menschen sicher, kein Fisch, kein Vogel, kein wildesund kein zahmes Thier. Nachdem ich dieses gehört hatte, erwachte ich voller Augst undFurcht und ich konnte, theure Schwester! mich den ganzen Tag nicht fassen und hattekeine Lust, weder zu essen, noch zu trinken; so sehr setzte mich die Bosheit des Menschenin Schrecken. So lief ich unruhig umher, bis ich zur Höhle eines jungen Löwen kam.Dieser freute sich über alle Maßen, als er mich ankommen sah, denn meine Farbeund schöne Gestalt gefielen ihm sehr gut; er hieß mich in seine Nähe kommen und fragtemich nach meinem Namen. Ich sagte:O Löwe des Glaubens! ich heiße Ente und

gehöre zum Geschlechte der Vögel." Er fragte mich dann, was ich treibe? und alsich ihm meine Lebensweise schilderte, sagte er:Nun will ich dir auch sagen, warumich hier warte. Mein Vater, der Löwe, der warnt mich schon so lange vor denMenschen, nun sah ich diese Nacht, in einem süßen Traume, einen Menschen, mit demich mich sehr gut unterhielt; zwar hörte ich eine Stimme, welche mich vor ihm warnte,aber er gefiel mir so gut, daß ich, weil ich weiß, daß zuweilen Menschen hiervorübcrkommen, hier warte, denn ich möchte gar zu gern einen Menschen sehen." Alsder Löwe zu reden aufgehört, sagte ich ihm:Sey auf deiner Hut und suche dem

Menschen auszuweichen, dessen List allmächtig." Ich warnte ihn dann so lange, biser sich endlich entschloß, mit mir wegzugehen. Als wir eine Meile mit einanderumherliefen, sahen wir einen große» Staub, der uns immer näher kam, und endlichentdeckten wir einen umherirrenden Esel, der bald stampfte, bald in die Höhe sprang,bald schrie. Der Löwe rief ihn zu sich, und der Esel näherte sich ihm ehrfurchtsvoll

Tausend und eine Nackt, tl.

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