926 Vierhundert und ftedenundneunzigste Nacht. '
Frau gebe." — „Thu' dies, ich will eine so große Morgengabe herbeischaffcn, als erverlangt." Der Vizier neigte sich dann zum König hin und sagte: -„Dein FreundDjaudar ersucht mich, dich zu bitten, daß du ihm deine Tochter zur Frau gebest, erwill jede beliebige Morgengabe entrichten." Der König antwortete: „Es sey, als habeich die Morgengabe schon erhalten, ich bin sein Diener und meine Tochter seineSklavin; er erweist mir noch eine Gnade, wenn er sie annimmt."
Am folgenden Morgen versammelte der König alle seine Freunde und hohenBeamten, ließ auch den Scheich des Islams kommen und einen Ehe-Contract zwischenDjaudar und seiner Tochter schreiben. Djaudar ließ den Quersack mit Edelsteinenholen und schenkte ihn dem König als Morgengabe; Trommeln und Psalter ertönten inder ganzen Stadt, die Hochzeit ward mit großen Festlichkeiten gefeiert, und derKönig und Djaudar waren von nun an ein Herz und ein Sinn. Bald starb aberder König und Djaudar ward von den Truppen als Sultan ansgerufen. Er weigertesich zwar, die Regierung anzunehmen, man drang aber so sehr von allen Seiten inihn, bis er nachgab; er ernannte dann Salem zu seinem Vizier der Rechten undSelim zu seinem Vizier der Linken. Nach Verlauf von einem Jahre aber sagteSalem zu Selim: „Wie lange wollen wir noch die Diener unsers Bruders bleiben?sollen wir nie selbst Herren werden?" Selim sagte: „Ersinne eine List, wie wir ihnumbringen und ihm den Sack und den Ring nehmen." Salem sagte: „Das will ichunter der Bedingung, daß ich dann Sultan werde und den Ring behalte; dafür sollstdu den Qncrsack nehmen und mein Vizier zur Rechten seyn." Nach weiterer Verabredunggingen sie zu Djaudar und sagten: „Wir wünschten, daß du uns auch einmal dieEhre erweisest, unser Gast zu seyn." Djaudar fragte: „Zu wem von euch soll ichdiesen Abend kommen?" — „Diesen Abend zu mir," antwortete Salem, „und einandermal zu Selim." Salem ließ eine Mahlzeit zubereiten und vergiftete die Schüssel,die er Djaudar vorsetzte, so daß er gleich starb. Er wollte ihm dann den Ringnehmen, da er aber nicht losging, schnitt er ihm den Finger ab, rieb den Ring, undals der Diener erschien, befahl er ihm, seinen Bruder Selim zu tödten und ihn nebstdem vergifteten Djaudar den Großen des Reichs, welche in einem andern Saale ander Tafel waren, vorzuwerfen. Als die Gäste die zwei Leichen sahen, fragten sie denGenius, wer den König und den Vizier umgebracht? Der Genius antwortete: „IhrBruder Salem." In diesem Augenblicke trat Salem herein und sagte: „Esset nurweiter und seyd vergnügt, ich besitze meines Bruders Ring, und Selim, dessen Verratbich fürchtete, ist auch todt; ihr müßt mich nun als Sultan anerkennen, sonst lasse ich