Vierhundert und vier»nd»eunzig>1e Vacht.
913
sie, ob Djaudar noch nicht wache? „Ich glaube nicht, doch wecke ihn auf." - „Woschläft er denn?" — „Bei den Gästen." — „Nun, so ist er wabrschcinlich mit denGästen fortgegangen, um neue Schätze zu entdecken, denn ich habe gehört, wie die Gäste,welche Abendländer waren, ihm zuredeten, mit ibncn zu gehen." — „Dies mag seyn, !du hast wahrscheinlich Recht; Gott lenke ihn, er wird gewiß mit vielem Segen zuriickkehrcn;doch fällt es mir schwer, von ihm getrennt zu leben." — „Du Verruchte! so sehr liebstdu Djaudar, wenn aber Salem oder ich noch so lange abwesend bleiben, betrübst dudich nicht; sind wir nicht eben so gut deine Kinder, als Djaudar?" — „Ihr seydauch meine Kinder, doch ihr habt mir nie Gutes erwiesen von dem Tage an, wo euerVater gestorben; Djaudar aber hat mich stets verehrt, darum verdient er auch, daßich um ihn weine." Die beiden Brüder gingen hierauf in das Kabrnet, um denQuersack zu suchen; da stolperten sie über den andern Ouersack, der mit Gold undEdelsteinen gefüllt war und sagten: „O Verruchte! hier ist das Geld unsers Vaters." —„Nein, bei Gott! es gehört euerm Bruder Djaudar, der es aus dem Westengebracht." — „Nein, es ist das Vermögen unserS Vaters, das wir jetzt nehmen undunter uns theilen wollen." Als die Theilung des Geldes vorüber war und sie mit!einander über de» Besitz des andern QuersackS stritten, sagte ihre Mutter: „O meine!Söhne! ihr habt den Sack mit Gold und Edelsteinen unter euch getheilt, diesen Sack!könnt ihr nicht theilen, sonst ist er nichts mehr wcrth; laßt mir ihn also, ich will euchzu jeder Zeit die Speisen herauöholen, die ihr verlangt, und wollt ihr mich von euermGelbe kleiden, so bin ich zufrieden und wir können ruhig beisammen leben; wie leichtkann euer Bruder zurückkommen und euch zu Schanden machen." Sie zankten aber dieganze Nacht fort, bis ein Kawas des Königs, der in einem der benachbarten Häuserwohnte, Alles hörte. Der Kawas berichtete am folgenden Morgen dem Könige, ScheinsiAddaulat, Alles, was er gehört hatte; der König schickte sogleich nach Djaudars! Brüdern und ließ sie prügeln, bis sie Alles cingestanden; dann ließ er ihnen beide Qucrsäckcwegnehmen und sie einspcrren, ihrer Mutter aber ließ er jeden Tag aus seinem Schlossebringen, was sie bedurfte.
Djaudar machte, nachdem er ein ganzes Jahr in Suez zugebracht hatte, eineSeereise; da erhob sich ein mächtiger Sturmwind, der das Schiff an Klippen stieß, diees zerschmetterten. Alle, die auf dem Schiffe waren, ertranken, nur Djaudar rettetesich an's Land.
Da kam er zu einem arabischen Stamme und erzählte dem Obersten desselben, wasihm widerfahren. Bei diesen Arabern befand sich aber ein Kaufmann, der mit ihm
Tausend und eine Nackt. >1.
ll5