Druckschrift 
2 (1839)
Entstehung
Seite
911
Einzelbild herunterladen
 

Vierhundert und uierundiieunzigfte Nacht. NH

O Ncutler! diese Schüssel ist warm und du hast doch gar kein Feuer im Hause."Sie antwortete:Ich habe sie aus dem Quersacke geholt."Aus welchem Sacke?"Aus dem, welchem ein Geist dienstbar ist und den ein Zauberer aus dem Abcndlandceuerm Bruder geschenkt hat; saget aber Niemanden etwas davon."Wir wollen esgeheim halten, aber zeige uns doch einmal, wie das zugeht." Als sie ihnen den Sackgezeigt hatte, sagte Salem zu Selim:Wie lange sollen wir noch bei Djaudaruns wie Diener behandeln lassen und von Almosen leben? Wir wollen List gegen ihngebrauchen und den Sack in unsere Gewalt bringen." Selim fragte:Wie willstdu dies anfangen?"Du sollst cs diesen Abend schon sehen," antwortete Salem:ich werde ihn bei dem Präfectcn des rothen Meeres anklagen und ihn ihm alsSklaven verkaufen." Des Abends gingen sie zum Seepräsecten und Salem sagteihm:Herr! wir Beide sind Brüder und haben noch einen dritten Bruder, der einsehr verworfener Mensch ist, an dem gar nichts Gutes. Als unser Vater starb unduns Vermögen hinterließ, theilten wir es unter einander, aber unser Bruder hattebald seinen Antheil verschwendet; er klagte uns dann an, wir hätten ihm zu weniggegeben und führte so lang Prozesse gegen uns, bis wir auch arm wurden; cs wäreuns daher sehr lieb, wenn du ihn uns abkaufen wolltest." Da sagte der Präfect:Wenn ihr durch irgend eine List mir ihn hicrherschaffen könnt, so schicke ich ihn gleichauf die See."Wir können ihn nicht hierherbringen," erwiderte Salem:dochscy du unser Gast und bringe noch einige Männer mit dir; wenn unser Bruder dannschläft, so fallen wir Alle über ihn her und binden ihn und führen ihn unter demSchutze der Nacht aus der Stadt." Der Präfect sagte:Gut, wollt ihr ihn fürvierzig Dinare verkaufen?"Recht gern," antwortete Salem, und er bczeichneteihm einen Platz, wo er nach dem Nachtgcbete sich einfinden sollte. Die beiden Brüdergingen hierauf wieder zu Djaudar und Salem küßte ihm die Hand. Djaudarfragte:Was hast du, mein Bruder?" Salem antwortete:Wisse, wir haben

einen Freund, der uns oft schon eingeladen und uns tausend andere Gefälligkeiten

erwiesen hat; als ich heute ihn sah und grüßte, lud er mich wieder ein; ich sagte

ihm aber, ich könne meinen Bruder nicht allein lassen. Da sagte er: Bringe ihn

mit dir. Ich erwiderte: Das wird er nicht wollen, sey du lieber mit deinen

Freunden es saßen deren einige bei ihm unser Gast. Ich sagte dies, weil ichnicht glaubte, daß er meine Einladung annehmen würde, nun nahm er sie aber an

und bat mich, ihn am Ecke unserer Straße zu erwarten; ich komme daher ganzbeschämt zu dir und frage, ob du unser Herz stärken und sie als deine Gäste aufnehmen