Vierhundert und dreiundncunzigste Vacht. A07
nahm ihm den Zirkel, das Schwert, das Schächtelchen und den Ring, und ging damitheraus zu Abd Assamd. Dieser umarmte ihn freudig und befahl den Dienern, dasZelt zu zerstören und die Maulesel zu bringen, und ritt mit Djaudar wieder nachFez. In Fez angelangt, sagte Abd Assamd zu Djaudar: „Du hast meinetwillendeine Heimath verlassen und mich an das Ziel meiner Wünsche gebracht, nun forderevon mir, was du willst." Djaudar sagte: „Ich möchte gerne deinen Quersack haben."Abd Assamd gab ihm den Quersack mit den Worten: „Dieser Sack wird allerdingsdir deine Nahrung gewähren, so oft du einen heiligen Namen nennst, mit der Handhineingrcifst und sagst: Diener dieses Quersackes, bringe mir diese oder jene Speise!
Doch ich habe dir versprochen, dich vollkommen glücklich in deiner Heimath zu machen,darum sollst du noch einen andern Sack mit Gold gefüllt haben; werde Kaufmann undhandle damit!" Er ließ hierauf einen Sklaven mit einem Maulesel kommen, der einenQuersack voll Gold und Edelsteinen trug, und sagte zu Djaudar: „Besteige diesenMaulesel! der Sklave, der den Weg kennt, wird vor dir hergehen, bis an die Thüredeines Hauses, dann nimmst du die zwei Säcke und er wird mir den Mauleselzurückbringen. Vertraue aber ja Niemand dein Geheimniß, merke dir das wohl!"Djaudar dankte ihm und ritt hinter dem Sklaven her.
Nachdem Djaudar einen Tag und eine Nacht lang hinter dem Sklaven gerittenwar, befand er sich an dem Siegesthore von Kahira; da saß seine Mutter und bettelte.Sobald er sie erblickte, sprang er vom Maulesel herunter und umarmte sie, dann setzteer sie auf den Maulesel und ging neben ihr her, bis zu ihrer Wohnung; hier hob ersie herunter und entließ den Diener und den Maulesel, welche Geister waren und zuihrem Herrn zurückkehrtcn. Djaudar fragte dann seine Mutter: „Wie kommt es,daß du betteln mußtest, wo sind denn die zwölfhundert Dinare hingekommen, die ichdir vor meiner Abreise gegeben?" — „Deine Brüder haben mir sie weggenommcn undgesagt, sie wollten damit etwas verdienen, sie haben aber das Geld verschwendet und
mich aus dem Hause gejagt, so daß ich vor Hunger betteln mußte." „Betrübe dich
nun nicht mehr, ich habe viel Glück gehabt, hier ist ein Sack voll mit Gold." — „Duhast Glück, Gott scy dir ferner gnädig! Doch geh schnell und hole Brod, denn ich habegestern nicht zu Nacht gegessen und bin sehr hungrig." — „Sogleich, meine Mutter,sollst du haben, was du verlangst; sag' mir nur, was du gern essen willst, ich brauchenichts zu kaufen und bedarf auch keines Kochs." — „Mein Sohn, ich sehe doch nicht,daß du etwas bei dir hast." — „Aus diesem Quersack kann ich allerlei Speisen holen." —„Mir ist Alles recht, und wäre es trocknes Brod." — „Das sättigt allerdings auch,