894 Vierhundert und rinundneunzigste Nacht.
Fische." Djaudar nahm das Brod und das Geld, kaufte Fleisch und Genius dafürund brachte es nach Hause; seine Mutter kochte cs und sie aßen zusammen und legtensich schlafen. Am andern Morgen stand er früh auf und ging mit dem Netze fort.Seine Mutter sagte ihm: „Frühstücke zuerst!" Er erwiderte aber: „Frühstücke du nurund meine Brüder," und ging nach Bulak an den Nil, warf das Netz wieder dreimalaus, ohne etwas zu fangen; er ging an einen andern Ort und lief den ganzen Tagherum, ohne einen Fisch zu scben. Er nahm nun sein Netz auf den Rücken, gingbestürzt zum Bäcker und wollte sich bei ihm entschuldigen. Aber der Bäcker sagte: „Dubrauchst dich nicht zu entschuldigen, nimm nur dein Brod; hast du beute nichts gefangen,so wirst du morgen um so mehr fangen; und wenn du auch morgen leer hcimkehrst, sokomme nur und hole dein Brod, ich borge dir." Aber auch am dritten Tag kehrteDjaudar ohne Fische heim, und ebenso die folgenden vier Tage. Da dachte er: Ichwill nun einmal an den See Karun gehen und dort mein Glück versuchen. Als erdort war nnd eben das Netz auswcrfen wollte, kam ein Abendländer auf einem Mauleselreitend; er selbst war königlich gekleidet, und alles Geschirr des Thiers war mit Goldgestickt; er grüßte Djaudar und sagte ihm: „Wenn du mir einen Dienst thun willst,
sollst du reichen Lohn dafür erhalten." Djaudar sagte: „Mein Herr, ich bin zu Allembereit: was soll ich thun?" Der Abendländer zog eine seidene Schnur heraus undsagte zu Djaudar: „Binde mich damit fest, wirf mich in den Teich und warte eine
Weile; siehst du, daß ich eine Hand aus dem Wasser strecke, so fange mich mit deinemNetze; strecke ich aber zuerst einen Fuß aus dem Wasser, so wisse, daß ich todt bin; dukannst mich im Teiche lassen; nimm nur dieses Maulthier und den Sack, bring' ibneinem Juden, Namens Schamia, der auf dem Bazar sitzt, er wird dir hundert Dinaregeben; behalte sie für deine Mühe und sage Niemanden etwas."
Djaudar that, wie der Abendländer ihm befohlen hatte, er band ihn, warf ihnin's Wasser und wartete eine Weile, bis sein Fuß hcrvorkam; dann setzte er sich aufdas Maulthier und ritt damit auf den Bazar zum Juden. Dieser fragte: „Ist derMann gestorben?" Djaudar antwortete: „Er ist todt." Da sagte der Jude: „Denhat seine Habgier getödtet." Er nahm Djaudar das Maulthier ab, gab ihm hundertDinare und empfahl ihm, das Gcheimniß treu zu bewahren. Djaudar ging mit demGelde zum Bäcker, kaufte das nöthige Brod, gab ihm Geld und sagte: „Nimm davon,was ich dir schuldig bin, und halte mir das Uebrigc zu gut." Der Bäcker sagte: „Ichhabe ja nichts von dir gefordert, du hättest nicht so zu eilen brauchen." Er rechnetedann, was Djaudar ihm schuldig war, und sagte: „Du hast noch auf zwei Tage