Vierhundert und neunzigste Nacht.
»Wenn ich eine Gelbe sehe, so glaube ich, sie sep krank, und soll ich michihr nähern, fühle ich mich so beklommen, als müßte ich in's Grab steigen."
Der Kaufmann lachte lange, dann stellte er wieder den Frieden unter ihnen herund schenkte Jeder ein schönes Kleid.
Als der Chalif diese Geschichte hörte, ließ er durch Mohammed die sechsSklavinnen für sechstausend Dinare kaufen. Aber bald nachher erhielt er vomKaufmann folgende Verse:
»Sechs Schönheiten haben mein Herz gestohlen, und meine Freude ist mitihnen dahin; sie waren mein Gehör, mein Gesicht, meine Nahrung, meinSchlaf, mein Leben; mein Bedauern ist so groß, daß ich mich nach dem Grabesehne."
Diese Verse rührten den Chalifen so sehr, daß er dem Kaufmann seine Sklavinnenwieder zurückschickte und ihm noch sechstausend Dinare dazu schenkte.
Hierauf erzählte Schehersad die
Geschichte Djandars.
Es lebte einst ein Kaufmann, welcher Omar hieß und drei Söhne batte. Dereine hieß Salem, der andere Dsaudar und der dritte Selim. Omar liebteDsaudar mehr als die beiden andern Söbne; diese waren deßbalb eifersüchtig auf ibrcnBruder und haßten ihn. Als Omar daS bemerkte, befürchtete er, es möchte Dsaudarnach seinem Tode Unrecht geschehen, daher ließ er gerichtliche Theilungskommissärcund rechtskundige Männer zu sich rufen, holte all sein Geld und seine Maaren herbei,theilte es in vier Theile, gab jedem seiner Söhne einen Theil und bedielt für sich einenTheil, der nach seinem Tode seiner Frau zufallen sollte. Omar starb bald nach dieserTheilung. Salem und Selim forderten Dsaudar vor Gerickt und behaupteten, erhabe einen Theil des Vermögens ihres Vaiers für sich behalte». Dsaudar berief dieZeugen, die bei der Theilung zugegen waren, und ward frei gesprochen; doch kostete ihnder Prozeß viel Geld und seine Brüder büßten noch mehr ein durch allerlei Bestechungen,die sie gegeben hatten. Bald darauf gingen sie zu einem andern Gerichte, theilte»wieder viele Bestechungen aus und führten so lauge Prozeß mit Dsaudar, bis sicendlich insgesammt ihr Vermögen cingebüßt halten und alle Drei arm wurden. Salemund Selim gingen dann zu ihrer Mutter, verspotteten und schlugen sie und nahmenihr ihr Geld. Sie kam zu Dsaudar und klagte ihm, was seine Brüder ihr getban,