Vierhundert und achtundachtzigsto Vacht.
Als mich Djube ir zum Essen einlud, schwur ich: „Bei Gott, ich werde keinen Bissenessen, bis du mein Anliegen anhörst." Er fragte: „Und worin besteht es?" Daüberreichte ich ihm Bedurs Brief. Als er ihn gelesen und den Inhalt verstandenhatte, zerriß er ihn, warf ihn auf den Boden und sagte: „O Jbn Man für! wasdu auch für ein Anliegen haben magst, ich will cs dir gern gewähren, doch diesen Briefwerde ich nicht beantworten." Ich stand zornig auf, aber er hielt mich am Kleide festund sagte: „Ich will dich Etwas fragen." — „Was denn?" — „Hat dir nicht dieSchreibern: dieses Briefes fünfhundert Dinare versprochen, wenn du ihr eine Antwortbringest, und hundert Dinare für deinen Gang?" — „Ja." — „Nun, bleibe heute bei mir,iß uud trink', du sollst von mir fünfhundert Dinare haben." Ich blieb bei ihm, wir aßenund tranken und unterhielte» uns mit allerlei Erzählungen. Dann sagte ich: „MeinHerr! gibt es keinen Gesang in deinem Hause?" Er erwiderte: „Bei Gott! du hastRecht, wir trinken schon gar zu lange ohne Musik." Er rief hierauf eine Sklavin ausihrem Gemache; sie kam mit einer fein polirten Laute an einer seidenen Schnur, setztesich, präludirte ein wenig und sang dann folgende Verse:
„Wer die Süßigkeit und das Bittere der Liebe nicht kennt, der weiß dieNähe des Geliebten von. seiner Abwesenheit nicht zu unterscheiden. Ich habemich der Liebe hingegcben, bis ich mit ihren Freuden und ihrem Leidvertraut ward. Wie manche Nacht hat mein Geliebter bei mir zugcbracht undmich aus seinem Munde Wonnetrank küssen lassen. Aber die Nacht unsererVereinigung war so kurz, als hätte die Morgcnröthc den Abend berührt; dannhat uns das Schicksal verrathcn und getrennt. Doch wer kann sich der Bestimmungwiderstehend welcher Sklave kann den Befehlen seines Herrn trotzen?"
Als die Sklavin diese Verse gesungen hatte, schrie ihr Herr laut auf und fiel inOhnmacht. Die Sklavin sagte mir: „Gott verdamme dich! wir trinken schon lange
ohne Gesang und unser Herr bleibt ruhig. Nun gehe in dein Gemach, dort ist ein Bettfür dich, unser Herr bleibt doch nicht länger auf."
Bei diesen Worten bemerkte Schehcrsad den Tag und schwieg, um in derfolgenden Nacht mit den Worten Jbn Mansurs fortzufahren, wie folgt:
lll,
Lausend unk eine Nackt. H