Druckschrift 
2 (1839)
Entstehung
Seite
880
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H80 Vierhundert »ud achtundachtzigste Nacht.

dir ein Geheimniß vertrauen; doch sage mir zuerst, wer bist du denn?"MeineDame, ich bin Ali, der Sohn Mansurs aus Damaskus, der Tischgenosse HarunArraschids, des Fürsten der Gläubigen." Als sie meinen Namen hörte, stieg sievom Sopha herunter, grüßte und bewillkommte mich und sagte:Ich liebe und

bin von meinem Geliebten getrennt."Du bist sa so vornehm und klug und liebstgewiß auch nur einen edlen Mann."Ich liebe Dsubeir, den Emir der SöhneScheiban, den schönsten und gebildetsten Mann seiner Zeit."Wechselt ihr keineBriefe mit einander und habt ihr keine Zusammenkünfte?"Freilich! doch ist nochkein Ehe-Contract zwischen uns geschlossen."Und wie habt ihr euch denn entzweit?"-Eines Tages machte mir diese Sklavin hier die Haare und als sie mir meine Zöpfegeflochten hatte, gefiel ich ihr so gut, daß sie über mich herfiel und mir die Wangenküßte. Djnbeir trat plötzlich herein und als er dies sah, ging er zornig weg, undseither läßt er nichts mehr von sich hören."Und was kann ich jetzt für dichthun?"Bring' ihm einen Brief von mir, wenn er dir eine Antwort gibt, so sollstdu fünfhundert Dinare von mir haben, wo nicht, gebe ich dir hundert Dinare für deineMühe." Als ich mich dazu bereit erklärte, ließ sie sich von einer Sklavin Dinte undPapier bringen und schrieb folgende Verse:

O Geliebter! wie lange soll noch dieser Zustand dauern, wo ist unserefrüberc Liebe hingekommen? wie lange soll noch der Schlaf mich fliehen? wannwerde ich dein altes Gesicht wiedcrfinden? Gewiß hast du den Verläumdern dein

Ohr zngcncigt, aber hüte dich, ihren falschen Worten zu glauben. Bei deinem

Leben, sprich, was hast du von ihnen gehört? Bedenke, wie leicht jedes Wortverunstaltet werden kann; ist nicht selbst die Tora, das Wort Gottes, von einemganzen Volke verfälscht worden? ° Wie oft haben sich schon falsche Gerüchte .

verbreitet! Hat nicht Jakob geglaubt, Joseph sep gestohlen worden? Einst wirdein furchtbarer Tag kommen, wo du und ich und meine Vcrläumder alleZusammentreffen werden."

Sie versiegelte den Brief und überreichte ihn mir. Ich ging zu Djubeir undwartete in seinem Hause, bis er von der Jagd zurückkam. Als ich ihn auf seinemPferde sah, verblendete mich seine Schönheit ganz. Er kannte mich aber, grüßte undumarmte mich, und ich glaubte die ganze Welt zu umarmen; er führte mich dann insein Haus und ließ mich auf sein Sopha sitzen. Nachdem wir ausgeruht waren, wardein Tisch, vom feinsten Holz aus Chorasan, mit allerlei Backwerk, Braten und süßenSpeisen beladen, vor uns aufgestellt.

' Dic Muselmänner glauben, das jetzt vorhandene alte und neue Testament sei) nicht das von Moses und Jesus gcoffcnbarle.