Druckschrift 
2 (1839)
Entstehung
Seite
874
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Viorliundcrt »nd stobenundachtzigsto stllacht.

Augen nach der Rennbahn gerichtet, um zu sehen, wer kommen würde, und betete imStillen: Gütiger Gott, der du Jakob seinen Sohn Joseph wicdergabst, schenke mir

meinen Herrn Ali Schir wieder, du bist sa allmächtig. Kaum hatte sie so gebetet,da hüpfte ein schmächtiger Mann wie eine Jungfrau herbei; er war sehr blaß unddoch der Schönste unter allen Männern; da er keinen leeren Platz mehr fand, setzte ersich vor die Ncisschüssel. Sumurd fasste ihn genau in's Aug' und erkannte ihren HerrnAli Schir. Sie wollte vor Freude laut schreien, faßte sich aber auS Scham vor denLeuten und blieb ruhig auf ihrem Thron sitzen, so daß Niemand Etwas merkte. DieUrsache von Ali Schirs Ankunft war folgende: Als er auf der Bank erwachte,

nachdem der Kurde Sumurd entführt hatte, fand er sich ohne Kopfbedeckung und merkte,daß ihm Jemand im Schlafe seinen Turban gestohlen hatte; er sagte den Spruch, de»Jeder ohne Scham im Munde führen mag:Wir sind GotteS und kehren zu ihm zurück."Er ging dann zur Alten, die ihm von Sumurd Nachricht gegeben, klopfte an ihrerThüre und als sie berauskam, weinte er vor ihr, bis er in Ohnmacht fiel. Als erwieder zu sich kam, crzäbltc er ihr, was ihm geschehen. Aber die Alte schmähte ihn,machte ihm Borwürfc und schlug ihn, bis er aus der Nase blutete und wieder inOhnmacht fiel.

Als Ali sich wieder erholte, sprach er folgende Verse:

Wie bitter ist die Trenmmg den Liebende» und wie süß das Wiedersehen!

Gott vereinige alle Liebenden und beginne mit mir, denn ich bin dem Tode nahe."

Die Alte bemitleidete ihn wieder und sagte:Bleibe hier, bis ich Kundschaft

entziehe." Sie blieb bis Mittag aus, kam wieder und sagte:Ali, wenn du überden Verlust Sumurds sterben willst, so stirb nur, denn du siehst sie nie wieder; wisse,daß die Bewohner des Schlosses Morgens das Fenster geöffnet fanden, das auf dieStraße geht, und Sumurd mit einem Geldsacke vermissen. Ich habe schon an derThüre des Schlosses den Polizeiobersten und die Pedellen gesehen; es gibt keinen Schutzund keine Macht, außer bei Gott, dem Erhabenen." Als Ali Schir dies gehört,entbrannte eine mächtige Flamme in seinem Herzen, er ward heftig krank und inanverzweifelte an seinem Leben. Aber die Alte brachte ihm allerlei Medikamente undkochte ihm ein ganzes Jahr lang Suppen, bis er sich wieder erholte. Am Anfang deszweiten Jahres sagte die Alte:Mein Sohn! wenn du hier bleibst, wirst du deineGeliebte nie wieder finden: mache dich auf und reise umher, vielleicht kannst du Etwasvon ihr erfahren." Sie führte ihn dann in's Bad, gab ihm Wein zu trinken undeinen Hahn zu essen und pflegte ihn so lange, bis er wieder ganz bei Kräften war;