Vierhundert und stebenundachtzigstc Vacht.
Die Geschichte dieses Mannes ist wunderbar. Als er nämlich von seiner Reisezuriickkam und Sumurd und einen Sack voll Gold vermißte, zerriß er seine Kleider,schlug sich iu's Gesicht, riß sich den Bart aus und schickte seinen Bruder Bersumaus, »m ihr nachzuspähen. Als er auch von diesem nichts hörte, ging er selbst, umihn aufzusuchen, und das Schicksal trieb ihn in die Stadt, wo Sumurd regierte,gerade am ersten Tage des Monats; er fand die Stadt leer und sah nur Frauen anden Fenstern, die ihm den Befehl dcö Sultans mittheiltcn und ihm riethcn, auf dieRennbahn zu gehen. Als er die Hand ausstreckte und essen wollte, ließ ihn Sumurdergreifen und vor sich führe». Sie sagte: „Wehe dir! wie heißt du? was ist dein
Geschäft und warum bist du hierher gekommen?" Er antwortete: „O Herr! ich heißeRustum und bin ein armer Derwisch." Sie ließ sich wieder Sand und eine Federbringen, schrieb in den Sand, schaute hinein, hob dann den Kopf auf und sagte:,, Du,Hund! lügst vor Königen; du heißt Raschid Eddin und dein Geschäft ist, muselmännischenSklavinnen aufzupassen und sie zu rauben; du stellst dich als Muselmann und bistinnerlich ein Christ; sage nur die Wahrheit, sonst, bei der Majestät des Herrn!schlage ich dir den Hals ab." Raschid sagte stammelnd: „Du sprichst wahr, o Königder Zeit!" Sie ließ ihn dann Hinstrecken und ihm auf jeden Fuß hundert Prügel gebenund auf seinen Körper eben so viele; dann ließ sie ihm die Haut abziehcn und mitWerg ausstopfen, außerhalb der Stadt verbrennen, in eine Grube werfen und mitUnrath zudecken. Nach der Mahlzeit ging sie wieder in ihr Schloß und sagte: „Gelobtsei) Gott, daß ich mein Herz gekühlt an denen, die mir Böses gethan." Dann fiel ihraber ihr Herr Ali Schir ein; sie dachte: wie lange währt die Trennung! und weinte,bis sie in Ohnmacht fiel. Als sie wieder zu sich kam dachte sie: vielleicht wird Gottmich doch bald mit ihm vereinigen, denn er ist allmächtig, und recitirte folgende Verse:
„Du bist mein einziges Verlangen, nach dir gehen alle meine Wünsche;deine Nähe- ist mein Paradies. Bei dir ist ewige Wonne, fern von dir dieHölle. Ich gefalle mir in meiner Liebe, vbschon die Thränen, die sic mirentlockt, alle meine Geheimnisse vcrrathen. Ich will meine Pein nicht los scy»,ich suche gar keinen Trost, die Liebe ist mein Leben, das nothwcndigc Gesetzmeines Herzens. Heil dem Auge, das sich an deinem Anblicke sättigen kan»;mein Herz schmachtet darnach und ist vor Sehnsucht außer sich."
Sumurd lebte noch einen ganzen Monat sich des Tags mit den Regierungs-Angelegenheiten beschäftigend und des Nachts weinend und trauernd. Als wiederNeumond war fanden die gewöhnlichen Festlichkeiten statt; Sumurd hatte die
Tausend und eine Nacht. >1
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