Druckschrift 
2 (1839)
Entstehung
Seite
868
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HßH Vierhundert und sechsundachtzigstc Vucht.

Sie zog dann an der Spitze der Truppen in die Stadt und stieg vor dem Schlosseab; da umarmten sie alle Fürsten und Großen, setzten sie auf den Thron und verbeugtensich vor ihr. Sie ließ dann die Schatzkammer öffnen und allen Soldaten Geschenkeaustheilen; man wünschte ihr Glück und ein dauerndes Reich, und schwur ihr Gehorsam.Alle Herzen verehrten sie wegen ihrer Freigebigkeit und Milde; sie schenkte allenGefangenen die Freiheit, zerbrach alle Fesseln und schaffte alles Unrecht ab, so daßJedermann sic lieb gewann.

Als Sumurd im Schlosse war, bestimmte sie allen Sklavinnen und Favoritinneneinen guten Gehalt, lebte aber von ihnen getrennt, ließ sich nur von jungen Eunuchenbedienen und gab vor, sie wolle nur dem Gottesdienste leben. Sie fastete und beteteviel, so daß alle Leute sie für sehr religiös hielten. So lebte sie ein ganzes Jahr,ohne etwas von ihrem Herrn zu veruchmc». Sie ließ dann die Vizierc und Kammerherrcnrufen und Banmeistcr und Feldmesser kommen, um unter dem Schlosse eine Rennbahnzu bauen, die eine Meile lang und eben so breit sepn sollte. Als dieses in der kürzestenZeit, nach ihrem Wunsche, vollendet war, ließ sie sich auf dieser Rennbahn ein großesZelt errichten, ihren Thron dahin bringen und einen großen Tisch Herrichten, zu demsic alle Großen des Reichs einlud. Als diese erschienen, theilte sie viele Geschenke untersie aus und sagte:Ich wünsche, daß ihr am Neumonde ausrufen lasset: Heutesoll Niemand in der Stadt seinen Laden öffnen, alle Leute sollen an der königlichenTafel speisen." Als der Neumond kam, vollzogen die Viziere den Befehl dcS Sultans undließen ausrufen, daß, wer seinen Laden öffne und nicht an der Tafel des Sultans sicheinsinde, gehängt würde. Die Leute kamen haufenweise herbeigeströmt, und Sumurdsah auf ihrem Throne zu, wie sie am Tische saßen und allerlei Speisen aßen, so vielJeder Lust hatte; ihr Thron war so gestellt, daß Jeder glaubte, der Sultan sehe nurauf ihn. Die Viziere sagten den Leuten:Schämt euch nicht, esset nur, der Könighat seine Freude daran." So sättigten sich Alle und wünschten dem Sultan viel Glück,und beim Weggehen sagten sie:In unscrm Leben haben wir keinen Sultan gesehen, derso die Armen liebt; Gott erhalte ihn lange!"

Als die Leute den Tisch verließen, begab sich auch Sumurd wieder in ihr Schloßund freute sich mit dem, was sie gethau, und dachte: so Gott will, werde ich auf dieseWeise Nachricht von meinem Herrn erhalten. Am folgenden Neumonde wurden wiederdieselben Anstalten getroffen. Als Sumurd die Gäste, Einen nach dem Andern,betrachtete, bemerkte sie den Christen, der den Vorhang von ihrem Herrn gekauft hatteund durch den sie ihrem Herrn entrissen worden; sie dachte: nun beginnt schon die