H04 Vierhundert und fünsuiiLachtzigfle Nacht.
Sklavin sagte: „Ja," führte die Alte hinauf in die Küche, hieß sie sitzen, und alleSklavinnen setzten sich um sie herum und musterten ihre Maaren durch. Auch Ali'sSklavin, Sumurd, war unter ihnen, sie lag aber gefesselt auf dem Boden und weinte.Da fragte die Alte, warum sie diese Sklavin so mißhandeln? Die Sklavinnenantworteten: „Es geschah nicht durch unfern Willen, sondern unser Herr hat es uns
befohlen." Die Alte bat sie dann, sie möchten, da doch ihr Herr nicht zu Hause sey,Sumurd entfesseln und, bis ihr Herr zurückkomme, freilaffen. „Du hast bei GottRecht," erwiderten die Sklavinnen; sie entfesselten Sumurd und gaben ihr zu essen; sieaber seufzte: „O hätte ich doch ein Bein gebrochen und wäre nicht in dieses Hausgekommen!" Während aber die Sklavinnen mit den Goldwaaren beschäftigt waren,ging die Alte zu Sumurd und sagte ihr: „Gott wird dir bald helfen; ich kommevon Ali Schir; sey bereit auf morgen, dein Herr wird unter der Bank am Schlossedich erwarten, laß dich an einem Seil zum Fenster herunter, er wird dich auffangenund fortbringen." Hierauf ging die Alte zu Ali Schir und sagte ihm: „Morgen
um Mitternacht stelle dich unter das Schloß des verruchten Raschid und passe auf,Sumurd wird sich herunterlassen, nimm sie auf und geh mit ihr, wohin du willst."Ali dankte ihr und sprach folgende Verse:
„Gott segne die, welche mir der Geliebten Wohnort zeigt, denn sie bringtmir die süßeste Nachricht; doch weiß ich sie mit nichts Anderem zu belohnen, alsmit einem Herzen, das die Trcnnungsstunde zerrissen."
Ali wartete ungeduldig, bis die bestimmte Stunde herannahte, dann setzte er sichauf die Bank vor dem Schlosse, die ihm die Alte bezeichnet hatte, schlief aber ein(gepriesen sey der, welcher nie schläft!), denn er hatte vor Kummer schon lange nichtgeschlafen. Nun führte das Schicksal gerade diesen Abend all die Bank, auf der Alilag, einen Dieb, der Ali seinen Turban vom Kopfe nahm und ihn selbst aufsetzte. Indiesem Augenblicke sah Sumurd zum Fenster herunter, und da es sehr dunkel war,hielt sie den Dieb für ihren Geliebten. Sie ließ sich daher an einem Stricke miteinem haarnen Sack voll Geld herunter, der Dieb fing sie auf und dachte: dasist ein wunderbares Abenteuer, und floh, wie der Blitz, mit ihr und dem Gelbedavon. Als er so schnell lief, sagte ihm Sumurd: „Die Alte hat mir gesagt, da
scyest wegen der Trennung sehr krank, und nun läufst du wie ein Affe;" aber der Diebgab ihr keine Antwort. Sie griff ihm dann in's Gesicht und fand einen dichten,rauhen Bart; sie erschrack und fragte: „Wer bist du?" Der Dieb antwortete: „Ichbin Einer der vierzig Kurden jener gefürchteten Räubergescllschaft Achmeds." Als sie