Druckschrift 
2 (1839)
Entstehung
Seite
863
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Vierhundert und fünfuiidiichtzigste Vachl. ^03

Morgen ließ sic der Verruchte wieder vor sich fübren, und als sie noch immer keine^ Christin werden wollte, ließ er sie wieder prügeln, sie aber rief immerfort:Es gibtkeine» Gott außer Gott, und Mohammed ist Gottes Gesandter!"

Was aber den armen Ali Schir betrifft, so war er bis zum andern Tagebewußtlos im Hausgange liegen geblieben. Erst nach und nach erwachte er wieder,öffnete seine Augen und rief Sumurd; so hieß nämlich seine Sklavin. Als er ohneAntwort blieb, ging er in's Zimmer, und erst, als er cs leer fand, fiel ihm der Christ! und die Warnung seiner Sklavin ein. Da weinte er und bereute seinen Ungehorsam,als es zu spät war. Er sprach dann folgenden Vers:

O Einziger! hast du kein Erbarmen mit mir? Soll mein Herz immerneue Qualen empfinde»? Bemitleide doch einen Edlen seines Volkes, de» die Liebeunglücklich macht; einen Neichen, den wieder Armuth drückt!"

Bald gerietst er in eine solche Verzweiflung, daß er seine Kleider zerriß, zweiSteine in die Hände nahm, in der Stadt herum ging und sich damit auf die Brustschlug, und seine Sklavin bei ihrem Namen rief; alle Kinder sammelten sich um ihn,und wer ihn kannte, weinte mit ihm. So brachte er den ganzen Tag und denfolgenden auf der Straße zu. Da sah ihn ein frommes, altes Weib und sagte ihm:Gott lasse dich genesen! Mein Sohn, seit wann bist du rasend?" Er antwortete,folgende Verse recitirend:

Sie sagen, ich sep rasend vor Liebe, und ich antworte: Nur Rasendei kennen die Freuden des Lebens. Bringt mir die, um derentwillen ich rase, und

! tadelt mich, wenn sie es nicht verdient."

!

^ Als die Alte merkte, daß er unglücklich liebte, sagte sie ihm:Erzähle mir deinei Geschichte, vielleicht kann ich dir helfen." Ali erzählte ihr Alles, was zwischen ihmund dem Christen vorgefallen, und schilderte ihr auch die Sklavin, die ihm geraubtworden. Da sagte sie:Kaufe einen Korb, wie die Goldarbciter haben, und fülle^ ihn mit Ringen, Armbändern und allerlei Frauenschmuck; spare nur kein Geld, ich^ gehe damit herum nnd ziehe, so Gott will, Erkundigungen nach deiner Sklavin ein."! Ali küßte ihre Hände und holte, was sie ihm befohlen; sie warf sogleich ihren Schleierum, nahm einen Stock in die Hand und den Korb auf den Kopf und ging in derganzen Stadt herum, bis sie Gott vor das Schloß des verruchten Raschid führte; dahorte sie ein lautes Schluchzen und Jammern.

Die Alte klopfte an der Thüre und sagte zur Sklavin, welche herunter kam undihr öffnete:Ich habe hier allerlei Schmuck im Korbe, wollt ihr etwas kaufen?" Die