Vierhundert und zweiundachtzigste Nacht. 847
mächtig tobendes Meer. Zn meinem Glücke segelte ein Schiff, mit fünf Menschen darin,an mir darüber, das mich aufnahm, aber ich verstand die Sprache dieser Leute nicht.Sie fuhren den ganzen Tag fort; gegen Abend warfen sie das Netz aus und fingen einen Fisch,von dem sie mir ein Stück gebraten zu essen gaben. Am folgenden Tage kamen wir ineine Stadt; ich ward vor den König geführt, der mir Geschenke machte und mich zumVizier ernannte. Ich fragte nach dem Namen dieser Stadt und man sagte mir: „Sieheißt Hunad und gehört zu China." Der König ließ mir dann durch seinen früher»Vizier die Stadt zeigen, deren ältere Bewohner, weil sie ungläubig waren, in Steinverwandelt wurden, und ich bewunderte die vielen Obstbäume, die so herrliche Früchtetrugen.
Als ich einen Monat in dieser Stadt zugebracht hatte und am Ufer einesFlusses stand, kam ein Reiter auf mich zu und fragte mich: „Bist du der träge AbuMuhammed?" Als ich seine Frage bejahte, sagte er: „Fürchte nichts! du warst unserWohlthäter, ich bin der Bruder der Schlange, die du gerettet, und du befindest dichnicht weit von dem Orte, wo deine Frau sich aufhält." Er zog dann seine Kleider aus
und reichte sie mir, ließ mich hinter ihn auf sein Pferd sitzen und ritt mit mir in eine
Wüste. „Hier," sagte er, „steige jetzt ab und geh zwischen diesen beiden Bergen weiter,da wirst du die kupferne Stadt sehen; gehe aber nicht hinein, bis ich wiederkehre unddir sage, was du thun sollst." Ich ging bis dicht vor die Stadt und bewunderte ihreMauern von Eisen und Kupfer, fand aber kein Thor, obschou ich die ganze Stadtumkreiste. Auf einmal kam der Reiter wieder und gab mir ein mit Talismanenbeschriebenes Schwert, das mich unsichtbar machte. Als er mich hierauf wieder verließ,vernahm ich ein großes Geschrei und sah eine Menge Leute, welche die Augen auf derBrust hatten. Sie fragten mich, wie ich hierher gekommen? und als ich ihnen dieWahrheit erzählte, sagten sie: „Wir sind Freunde der Schlange, deine Braut ist indieser Stadt, doch wissen wir nicht, was der böse Geist mit ihr begonnen. Steige nur
in den Strom, den du vor dir siehst, und folge ihm in die Stadt." Ich warf mich in's
Wasser, das durch einen unterirdischen Kanal in die Stadt lief; und als ich an einemWasserbehälter wieder herauf kam, sah ich meine Frau, in Seide gehüllt, auf einemgoldenen Throne sitzen. Sie grüßte mich und fragte, wie ich hierher gekommen, undnachdem ich ihr Alles erzählt hatte, sagte sie: „Wisse, der verruchte Geist hat mir ausheftiger Liebe gestanden, wie man ihm beikommen kann; er hat mir eine Säule gezeigt,in welcher ein Adler mit allerlei Talismanen eingegraben scyn soll: wer den nimmt,kann alle Geister beherrschen."