Druckschrift 
2 (1839)
Entstehung
Seite
835
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Vierhundert und achtzigste Nacht. HZH

haß ich in das Haus dieser Männer gegangen bin und Geld gestohlen habe; sie habe»mich aber ertappt, mir es wieder weggenommen und mich bierber geführt." Chaledließ den Jüngling einsperren und in ganz Baßra ausrnfcn:Wer dem Diebe N. N.die Hand abhauen sehen will, soll sich morgen früb hier einfinden." Als der Jünglingin Kette» im Kerker lag, seufzte er und rccitirte folgende Verse:

Chaled hat mir gedroht, er werde mir die Hand abhauen lassen, wennich ihm meine Geschichte nicht erzähle; ich sagte aber: Weit entfernt, daß ichdie Liebe bekenne, die mein Herz verbirgt, lieber soll man wegen meinesGeständnisses mir die Hand abhauen, wenn nur ihr Ruf rein bleibt."

Die Wächter, welche diese Verse hörten, gingen zu Chaled und gaben ihm Nachrichtdavon. Chaled ließ ihn, sobald die Nacht hcranbrach, zu sich kommen und fand in

seinem Gespräche so viel Geist und Bildung, daß er ihn liebgewann und ihm Speisen

reichen ließ. Nachdem er sich eine Weile mit ihm unterhalten hatte, sagte er:Ichweiß, daß du etwas Anderes, als einen Diebstahl, bezwecktest; wenn daher morgen derRichter nnd das Volk sich versammeln, so längne den Diebstahl und bringe etwas vor,das die Strafe von dir abwendet, nach dem Wille» des Gesandten Gottes." Hieraufließ er ihn wieder in's Gefängniß zurückführen.

Am folgenden Morgen versammelten sich alle Leute, um die Hand des Diebsabhauen zu sehen; ganz Baßra war auf den Beinen, und auch der Emir Chaled

erschien zu Pferd mit den Beamten und angesehensten Männern der Stadt. Dann

kamen die Richter, und endlich wurde der Jüngling hcrbcigcholt, der beschämt den

Blick auf seine Fesseln heftete. Niemand blieb ungerührt bei diesem Anblick, nnd dieFrauen erhoben ein lautes Wehegeschrei. Chaled ließ die Frauen zum Schweigenbringen und sagte zum Jüngling:Diese Leute behaupten, du sepst in ihr Haus

gedrungen, um sie zu bestehlen; hast du vielleicht weniger als den vom Gesetze

j bestimmten Werth gestohlen?" Er antwortete:Ich habe mehr gestohlen."Du

hast vielleicht irgend einen Antheil an dem, was du gestohlen?"Nein, ich habegar kein Recht darauf." Chaled, über den Eigensinn des Jünglings ergrimmt, schlugihn mit der Peitsche in's Gesicht, nnd ließ einen Metzger rufen, um ibm die Hand

abzuschneiden. Dieser hatte schon das Messer ergriffen nnd die Hand nach dem Jünglingansgcstrcckt, als ein schmutzig gekleidetes Mädchen ans den Reihen der Frauen hervortratund über den Jüngling hersicl; dann entschleierte sic ein Gesicht wie der Mond, nnd esentstand unter dem Volke ein mächtiger Lärmen, der beinahe einem Aufruhr glich. Sierief dann mit lauter Stimme:Ich beschwöre dich bei Gott, o Emir! übereile dich nicht