HAH Vierhundert und irchtundstcbenzigste Nacht.
Hierauf nahm ich die Laute, spielte ein wenig und sang folgende Verse:
„Gepriesen sep der Herr, der dir die höchste Anmuth verliehen; o du,dessen Blick jedem Sterblichen den Verstand raubt, schütze mich doch gegen denZauber deiner Augen! Auf deinen Wangen ist Feuer und Wasser vereint undaus ihrer Mitte blühen frische Rosen empor. Du bist die Hölle und das !
Paradies meines Herzens, bist ihm zugleich süß, aber auch bitter."
Diese Verse machten Dunja viele Freude; sie entließ dann die Sklavinnen, ichblieb allein bei ihr und brachte an ihrer Seite die schönste Nacht meines Lebens zu.
Ueber diese Nacht dichtete ich folgende Verse: !
„O Nacht, daurc ewig fort, ich will keinen Morgen, denn mir genügt dasLicht ihres mir nahen Antlitzes. In ihre» Umarmungen blüht das höchsteGlück; wer das besitzt, dem bleibt nichts mehr zu wünschen übrig." !
Ich blieb dann einen ganzen Monat bei ihr, ließ meinen Laden geschlossen und jsah meine Leute gar nicht. Eines Tages sagte sie mir: „O Licht meiner Augen! ich >?
will heute in's Bad gehen, bleib' du hier, bis ich wiederkehre." Ich sagte: „Recht ^
gerne;" aber erst als ich schwur, daß ich nicht von der Stelle weichen wollte, ging ft ^
mit ihren Sklavinnen in's Bad. Kaum war sie an's Ende der Straße gelangt, st ß
öffnete sich die Thüre, es trat eine Alte herein und sagte mir: „Mein Herr! die Frau !
Subeida wünscht dich zu sehen, denn sie hat viel von deinem schönen Gesänge gehört?
Ich sagte: „Ich weiche nicht von hier, bis meine Gattin wiederkömmt." Da erwiderte ^die Alte: „Mache dir die Frau Subeida nicht zur Feindin, komm' und sprich sie, dukannst gleich wiederkehren." Ich ging sogleich der Alien nach zur Frau Subeida.Diese sagte mir: „Bist du der Geliebte der Frau Dunser?" — „Ich bin dein
Sklave." — „Man hat dich mit Recht als den schönsten Mann beschrieben, doch singe s
etwas, daß ich auch deine Stimme höre." — „Recht gern." Da ließ sie eine Laute Ijbringen, und als ich einige Verse sang, sagte sie: „Gott erhalte deinen Körper gesund ^und schenke dir ein frohes Leben, denn deine Schönheit und Anmuth sind vollkommen;doch geh setzt nach Haus, ehe die Frau Dunja wiederkehrt." Ich küßte die Erde vor!ihr, und die Alte führte mich bis zur Thüre. !
Schehersad schwieg, um in der nächsten Nacht folgendermaßen fortzufahren: