Druckschrift 
2 (1839)
Entstehung
Seite
827
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Vierhundert und achtundlrelienügste dlacht.

Mädchen und sagte:Komm' und setze dich an die Thüre des Saals, bis man dir

dein Geld gibt." Ich setzte mich, wo sie mich hinwies; da sah ich einen goldenenThron mit einem Teppiche darauf und einem seidenen Vorhänge davor. Dieser wardaufgehoben, und ich erkannte die Dame wieder, welche die Juwelen von mir gekauft;sie hatte den Schmuck am Halse, ihr Gesicht war freundlich strahlend wie der Mondund ihre Gestalt so schön, daß ich ganz von Sinnen kam. Sobald sie mich bemerkte,stand sie auf, ging mir entgegen und sagte:O Licht meiner Augen, wie schön wärestdu, wenn du der dich Liebenden dich erbarmen wolltest; wisse, daß ich dich liebe undden Augenblick nicht erwarten konnte, bis ich dich bei mir sah." Sie neigte sich dannzu mir hin und erlaubte mir, sie zu küssen.

Als ich sie aber auch umarmen wollte, sagte sie:O, mein Herr! willst du, daß ichauf eine ungesetzliche Weise mich dir hingebe? daS kann kein wohlgebildetcr Mannverlangen. Wisse, daß mich noch kein Mann berührt hat, ja nicht einmal gesehen,obschon ich hier in der Stadt gar nicht unbekannt bin; weißt du, wer ich bin? meinName ist Dunja, die Tochter Jahja's, Bruder Djafars, von der Familie derBarmekiden." Als ich bei diesen Worten zusammenfuhr und es kaum mehr wagte,> kiueii Blick auf sie zu werfen, fuhr sie fort:Fürchte nichts, meine Absicht ist, dirGutes zu erzeigen, und ich besitze die Mittel dazu; schon ist der Kadi da, um unsereEhe zu schließen, wenn du mich heirathen willst." Sobald ich mich bereit erklärte, ihrGatte zu werden, rief sie den Kadi und zwei Zeugen aus einem Kabincte und sagteihnen:Mohammed Ali wünscht mich zur Gattin zu haben und gibt mir dieseKette alö Morgengabe, und ich nehme sein Anerbieten an." Der Ehe-Contract wurdesogleich geschrieben, es wurde Wein gebracht, die Becher gingen im Kreise umher, undals der Wein in unserm Kopfe glühte, ließ sie eine Sklavin kommen, welche folgendeBörse sang:

Alle Hoffnungen meines Herzens gehen nach dir, cs wünscht nichts alsdeine Liebe zu erhalten. O Freunde! wie wenig verdiene ich die Trennung vonmeinem Geliebten; habt Mitleid mit dem Licbcskrankcn!"

Die Sklavin entzückte uns durch ihren schönen Gesang, und auf Dunja's Befehlfolgten ihr noch neun Sklavinnen, welche nicht minder schön sangen; zuletzt nahmDunja die Laute und sang:

Ich schwöre bei deinem geschmeidigen Wüchse, daß mir die Trennung vondir eine Höllcnqual wäre, drum, o holder Mond, Herr der Menschheit, beglückemich mit deiner Liebe und laß mich bei klarem Wein eine selige Nacht indeiner Nähe znbringen."