824 Vierhundert und achtuudsiclienziglle Vacht.
„Kürzt die Trennung ab, denn mein Herz, ich schwör' cs euch, ist trostlos.
Der große Schmerz hat mich geläutert und ich flehe Gott nur um eure Liebean. O Mond, der du in meinem Herzen thronest, wie kann ich an andernSterblichen Wohlgefallen finden?"
Der junge Mann schrie wieder und zerriß sein Kleid; dann kam ein anderesMädchen und sang:
„Wann wird diese Trennung enden und diese vergangene Zeit mirwiederkehren? Einst umschloß uns ein Haus, da lebte» wir selig, fern vonNeid und Mißgunst. Aber das Schicksal ward treulos gegen uns, und nachvertraulichem Zusammenleben mußten wir von einander scheiden. Wollt ihr mirVorwürfe machen und mich trösten, ihr Tadler? mein Herz erträgt eucrn Tadelnicht. Mein Aug' flicht den Schlaf und sieht in seiner Liebe stets denFreund nahe."
Der falsche Chalif schrie wieder, zerriß sein Kleid und fiel in Ohnmacht, undnoch ehe man ihn mit dem Teppiche bedeckte, bemerkte Harun Arraschid an seinemKörper viele Wunden. Da sagte er zu Djafar: „Dieser Jüngling ist bei Gott sehrschön, aber er muß ein abscheulicher Verbrecher seyn, ohne daß man es weiß, denn erträgt Zeichen vieler Prügel an sich." Als der falsche Chalif wieder ein anderes Kleidungezogen hatte und sich wieder zu seinen Freunden setzte, fragte er Djafar, wasihn eben sein Freund gefragt habe? Djafar antwortete: „Mein Freund sagt mir,er scy in vielen Ländern gereist und habe in Gesellschaft von Königen und andernVornehmen gelebt und nirgends gesehen, daß Jemand so seine Kleider zerreiße, vondenen jedes fünfhundert Dinare werth ist." Der junge Mann versetzte: „Er kümmeresich nicht darum, das Geld ist mein Geld und die Kleider sind meine Kleider, unddie zerrissenen machen einen Theil meiner Geschenke an meine Umgebung und Dieneraus, denn jedes zerrissene Kleid ist für einen meiner anwesenden Gesellschafter." Djafardichtete hierauf folgende Verse:
„Die Tochter des Edelmuths ruht mitten in seiner Hand, all sein Gut istden Menschen preisgegeben, und ist die Freigebigkeit in seiner Hand verschlossen,so sind gleichsam seine Finger die Schlüssel zu ihrem Schlosse."
Als der junge Mann Djafars Verse hörte, ließ er ihm tausend Dinare und einKleid geben, dann machten die Becher wieder die Runde unter den Gästen, und währendder Jüngling mit seinen Freunden sich unterhielt, sagte der Chalif zu Djafar: „Ichwill ihn einmal fragen, was die Spuren von Schlägen an seinem Körper bedeuten,und sehen, was er antwortet." Djafar entgegnete: „Uebereile dich nicht, mein Herr,