Vierhundert und stcbcnundstebenziglle Nacht. 821
„nd drängte sich durch die Mameluken des falschen Chalifen. Aber die Fackelträger,welche mit Erstaunen drei Kaufleute unter ihren Leuten bemerkten, fielen über sie herund führten sie zum falschen Chalifen. Als dieser sie sah, fragte er: „Wie seyd ihrhierhergekommen und was hat euch hierhergeführt zu einer solchen Stunde?" Siesagten: „O Herr, wir sind fremde Kaufleute und gingen, weil heute unser Geburtstagwar, hier spazieren; da ergriffen uns deine Leute und führten uns zu dir." Ver-fälsche Chalif sagte: „Seyd nur ruhig, cs soll euch nichts geschehen, weil ihr Fremdeseyd: wäret ihr aus Bagdad, so würden wir euch den Kopf abschlagen lassen." Erwendete sich dann zu seinem Vizier und sagte ihm: „Nimm diese Leute mit dir, siesollen diese Nacht unsere Gäste seyn." Sie gingen zusammen, bis sie vor ein großmächtigesSchloß kamen, das bis zu den Wolken reichte, und dergleichen kein Sultan besitzt.Als dessen Thor, welches von Ebenholz und mit Gold beschlagen war, sich öffnete,traten sie in einen Saal mit vielen Springbrunnen, Matten aus seinen Palmblättern,Kissen aus ägyptischen Stoffen, Vorhängen und Tapeten, die selbst Harun Arraschidin Erstaunen setzten.
lieber der Thüre waren folgende Verse:
„Heil und Friede diesem Palastc, über den die Zeit ihre Reize auszestrcut:er enthält so viele Seltenheiten und Wunder, daß keine Feder sie beschreibenkann."
Der falsche Chalif setzte sich auf einen goldenen Thron, mit grüner Seide überzogenund mit Edelsteinen besetzt; seine Gesellschafter setzten sich um ihn herum und dasSchwert der Rache stand vor ihm. Der Tisch wurde sogleich gedeckt und die feinstenSpeisen aufgetragen. Nach dem Essen ging ein Diener mit einem goldenen Waschbeckenherum, während ein Anderer die Weingefäße aufstellte. Die Becher machten die Runde,bis die Reihe an Harun Arraschid kam; da dieser aber nicht trinken wollte, fragteder falsche Chalif Djafar: „Warum trinkt dein Freund nicht?" Djafar antwortete:„Er hat seit einiger Zeit ein Gelübde gethan, sich vom Weine zu enthalten." Da sagteder falsche Chalif: „Wir haben noch andere erlaubte Getränke;" und befahl sogleich
einem Diener, Apfelmost zu bringen, stellte ihn Harun Arraschid vor und sagte ihm:„So oft die Reihe an dich kömmt, kannst du dir davon cinschenken." Die klebrigenaber tranken Wein, bis er sich ihres Verstandes bemächtigte.
Im Laufe des Gesprächs sagte Harun leise zu Djafar: „Bei Gott! ich habe
keine so kostbaren Gefäße wie dieser Mann, ich möchte doch wissen, wer dieser Jünglingist." Als dieser den Vizier mit Harun leise sprechen sah, sagte er: „Lispeln deutet