Vierhundert und stebenundstebenzigste Nacht.
Geschichte des falschen Chalisen.
Man erzählt, als Harun Arraschid eines Nachts sehr übel gelaunt war, ließer seinen Vizier Dsafar rufen und sagte ihm: „Ich fühle mich so beengt, ich will
heute Nacht auf den Plätzen Bagdads umhergchen und sehen, was meine Unterthane»treiben; doch darf uns Niemand erkennen, wir wollen uns daher als Kaufleute verkleiden."Sie legten sogleich ihre kostbaren Kleider ab und zogen Kausmannskleidcr an, und derChalif ging mit Djafar und Masrur, dem Scharfrichter, lange in der Stadtumher, bis sie endlich an den Tigris kamen; da boten sie einem Alten, der in einemBoote saß, einen Dinar an und baten ihn, sie auf dem Strome ein wenig spazieren zufahren.
Der Alte erwiderte: „Wer kann dies jetzt wagen? Weißt du nicht, daß der
Chalif jede Nacht in einem kleinen Kahne umherfährt und vor ihm her ausgerufen wird:O ihr Leute, gut und schlecht, groß und klein, vornehm und gering, jung und alt, werein Schiff besteigt und den Tigris befährt, wird geköpft oder auf den Mastbaum seines