784 Vierhundert und stebenzigste Nacht.
führte Ali auf die Straße, man rief vor ihm ans: „Das ist der Lohn, und zwar dergeringste Lohn, des Verräthers gegen den rechtgläubigen Chalifen!" und eine großeMenschcnmasfe versammelte sich auf dem Hinrichtungsplatze. Sobald aber das Nrtheilüber Ali gesprochen war, lief einer der Wasserträger des Schlosses zu dem Oberstender Leibwache, welcher auch Achmed hieß, und sagte ihm, nachdem er ihm die Händegeküßt hatte: „Verehrtester Herr! du sitzest hier ganz ruhig in deinem Garten und dasWasser steht schon zu deinen Füßen. Weißt du denn nicht, daß man deinen SchützlingAli hängen will?" Er erzählte ihm hierauf die Anklage, die auf Ali lastete, und setztehinzu: „Wir müssen ihn retten, so Gott will, denn er ist unschuldig, gewiß hat irgendein Feind ihm diesen Streich gespielt." Achmed ging in's Gefängniß und sagte demWächter: „Gib einen Gefangenen heraus, der den Tod verdient." Der Wächter lieferteihm einen Mann aus, der einige Aehnlichkcit mit Ali hatte. Als man Ali hänge»wollte, trat Achmed dem Henker auf den Fuß und sagte ihm: „Nimm diesen Mannund hänge ihn an Ali's Stelle, denn es geschieht ihm Unrecht, darum will ich ihnretten, wie einst Jsmael gerettet worden." ' Der Henker that dies und Ali ging mitAchmed in sein Haus.
Achmed fragte dann Ali: „Was hast du da für eine That begangen? Kennstdu nicht die Worte des Dichters, der gesagt hat: Bist du auch ein Verräther, soverrathe doch den nicht, der dir Sicherheit schenkt! Der Chalif hat dir doch das höchsteVertrauen geschenkt, wie verfuhrst du so gegen ibn?" Ali antwortete: „Bei demhöchsten Namen, mein Oberster, ich bin unschuldig und weiß nicht, wer den Diebstahlbegangen. Das muß ein bitterer Feind gethan haben, dem aber einst gewiß seineStrafe nicht ausbleiben wird." — „Indessen," sagte Achmed, „darfst du, mein Sohn,nicht länger in Bagdad bleiben, denn es ist nicht gut, Könige als Gegner zu haben;wer von ihnen ausgesucht wird, hat viele Mühe, verborgen zu bleiben; darum rathe ichdir, mit mir nach Alexandrien zu gehen, es ist eine gesegnete, blühende Stadt." AlsAli zur Reise einwilligte, sagte Achmed zu seinem Adjutanten Hasan: „Gib Acht:wenn der Chalif nach mir fragt, so sage, ich mache eine kleine Lustrcise." Sie reistendann von Bagdad weg, und kaum waren sie in den Gärten und Weinbergen vor derStadt, kamen zwei Juden auf Mauleseln geritten. Achmed ging auf sie zu und sagteihnen: „Gebt das Wachgeld, ich bin der Wächter dieses Thals." Obschon aber jedervon ihnen hundert Dinare hergab, erschlug sie Achmed doch, nahm ihre Maulesel und
' Die Araber lasse» Jsmael statt Isaak von Abraham opfern nnb durch die Verwechslung mit einem Rehgerettet werden.