Vierhundert und stcbemiiidsechzigste Nacht.
hat dir gesagt, daß ich aussätzig scy?" — „Die Alte." — „Nun, mir hat sie auchgesagt, du wärest aussätzig." Ali zeigte ihr dann auch zwei Arme wie das weißeSilber, umarmte sie und brachte eine Nacht voller Liebesfreude bei ihr zu. Als derMorgen heranbrach, sagte Ali: „Wehe mir! nun nimmt der Nabe der Trennung !alle Freude weg, ich darf nun nimmer länger bei dir verweilen, denn ich habe deinemVater zehntausend Dinare als Morgengabe versprochen, und wenn ich sie nicht bringewird man mich einsperren; ich habe aber keinen halben Heller im Vermögen, woher isoll ich zehntausend Dinare nehmen?" Da sagte Subeida: „Es wird schon gehen,fürchte nichts! nimm einmal diese hundert Dinare, wenn ich mehr hätte, so würde ich ldir mehr geben; aber mein Vater hat aus Liebe zu seinem Neffen mir Alles weggenoimnen,bis auf meinen Schmuck, und hat es ihm gegeben.
„Wenn nun heute," fuhr Subeida fort, „der Gerichtsdiener kömmt und dir imNamen des Kadi befiehlt, mir einen Scheidebricf zu geben, so frage sie: nach welcherSchule muß man seine Frau am Morgen nach der Hochzeit verstoßen? Dann machstdu dem Kadi ein Geschenk von zehn Dinaren und küssest ihm die Hand, und beschenkst
auch die Gcrichtsassessoren. Wenn sie dich dann fragen, warum läßt du dich nicht
scheiden und nimmst tausend Dinare, ein Maulthier und ein Kleid, so wie es bedungen !worden? so antworte: Mir ist jedes Haar meiner Gattin tausend Dinare werth, ichwerde mich nie von ihr scheiden lassen und nichts annehmen." Während sie so miteinander sprachen, klopfte ein Gerichtsdiencr an die Thüre und sagte: „Mein Herrläßt dich zur Ehescheidung rufen." Ali schenkte ihm fünf Dinare und sagte: „Seitwann heirathet man Abends und läßt sich Morgens wieder scheiden?" — „Du hast Recht,"sagte der Diener, „und wenn du das Gesetz nicht kennst, will ich dich vertheidigen." jAls sie dann mit einander auf den Gerichtshof kamen, da sagte der Kadi zu Ali:„Bezahle die Morgcngabe, die du schuldig bist." Er antwortete: „Gewähre mir die ;
gesetzliche Frist." Der Kadi sagte: „Diese ist drei Tage." — „Das ist nicht genug,"
versetzte Ali: „gestatte mir zehn Tage." — „Du sollst sie haben," erwiderte der Kadi,„aber dann mußt du entweder die Morgcngabe bezahlen oder deine Frau entlassen " ^
Ali ging hierauf weg, kaufte Fleisch, Ncis und Schmalz und was er sonstbrauchte, ging zu Subeida und erzählte ihr, was vorgesallen. Subeida sagteihm: „Zwischen heute und morgen können Wunder Vorfällen; wie ein Dichter !gesagt: l
„Die Nächte gleichen schwängern Frauen, die zu jeder Zeit Wunder gebärenkönnen."