Vierhundert »nd viernndsechzigste Vacht.
und gab ein großes Mahl. Dann ließ er ihm im Schreiben und im Koran Unterrichtertheilen, und der Junge ward sehr geschickt und gelehrt. Eines TagcS, als der Sklaveeinen Tisch aus Ali's Zimmer räumte, vergaß er, das Zimmer zu schließen; Alitrat heraus und stürmte wie ein betrunkener Mameluk in's Gemach seiner Mutter, wo vielevornehme Damen beisammen waren. Die Damen bedeckten ihr Gesicht und sagtenzur Mutter: „Gehört nicht Schamgefühl zum Glauben? wie bringst du uns auf einmaleinen fremden Mameluken herein?" Sie antwortete: „Das ist mein Sohn, die Frucht^»eines Herzens, der Sohn Scheins EddinS, des Obersten der Kauflcute."
! Da sagten die Damen: „Warum haben wir nie etwas von deinem Sohne gehört?"
! Sie antwortete: „Sein Vater fürchtete das böse Auge, drum ließ er ihn in einem unterirdischen! Gewölbe erziehen, und nun kommt er zum ersten Male ganz unerfahren herauf." Als die! Frauen dies hörten, wünschten sie ihr Glück, und der Junge ging fort in den Hof.Als er Sklaven mit einem Maulthiere kommen sah, fragte er sie: „Wo war diesesMaulthier?" Sie antworteten: „Wir haben deinen Vater darauf aus dem Laden
geholt." — „Und was hat mein Vater für ein Handwerk?" — „Dein Vater ist derOberste der Kaufleute in ganz Aegypten und der Scheich der Beduinen." Ali gingdann wieder zu seiner Mutter, und fragte sie auch nach dem Geschäfte seines Vatersund sie gab ihm dieselbe Antwort wie die Sklaven.
Da sagte Ali: „Gelobt sey Gott! daß ich der Sohn des Scheich der Araber bin;aber warum, o Mutter! sperrt ihr mich in ein unterirdisches Gewölbe?" Sie antwortete:„Mein Sohn, das haben wir nur gethan, weil wir daö böse Auge der Leute für dich fürchteten,denn das böse Auge ist sehr gefährlich und die meisten Leute sterben an den Folgendesselben." Da versetzte der Junge: „O meine Mutter! wie kann man dem Schicksalentfliehen? keine Vorsicht kann die Bestimmung abwcnden und gegen das Geschriebenegibt es keine Macht. Wenn mein Vater auch noch lang lebt, so wird er doch einst
sterben, und wenn ich dann sage: Ich bin sein Sohn, werden die Aeltesten und
Kauflcute mir nicht glauben, denn sie werden sagen: Wir haben in unser», Lebennicht gehört, daß Scheins Eddin einen Sohn habe. Das Vermögen meines Vaterswird dann in den öffentlichen Schatz kommen, und Niemand wird sich unserer erbarmen.Drum, o Mutter! soll mein Vater mich auf den Bazar mitnehmen und mir einen
Laden öffnen; ich werde mit Maaren neben ihm sitzen und bei ihm den Handel lernen."
Schehersad hielt hier inne; in der folgenden Nacht aber fuhr sie fort: