Druckschrift 
2 (1839)
Entstehung
Seite
737
Einzelbild herunterladen
 

^ Vierhundert und cinuudsechzigste Vacht.

Nabia, der ein Söhnchen hatte, welches Naama hieß:Dein Name bleibeunverändert, aber dein Töchtcrchcn soll Na am heißen." Rabia ließ dann Na amund Naama wie Bruder und Schwester zusammen leben, bis sie Beide ein Alter vonzehn Jahren erreicht hatten. Dann ging Nabia zu seinem Sohne Naama und sagte> ihm:Mein Sohn! Na am ist nicht deine Schwester, sondern deine Sklavin, die ichauf deinen Namen gekauft, als du noch in der Wiege lagst; drum nenne sie von heute, an nicht mehr deine Schwester." Naama sagte:Wenn dem so ist, so will ich sie einstheirathcn." Nach einiger Zeit ging er zu seiner Mutter und erklärte ihr seinen Wunsch,Naam zu heirathcn. Die Mutter gab gern ihre Einwilligung, denn Naam wardas schönste und angenehmste Mädchen in ganz Kufa; auch spielte sie allerlei Instrumenteund hatte eine schöne Stimme; kurz, sie iibcrtraf in Allem ihre Zeitgenossen. EinesTages, als Naam mit ihrem Gatten beim Weine saß, ergriff sie die Laute und sangvoller Liebe:

Sv lange du mein Herr bist, dessen Huld mich beglückt und dessen Kraftmich gegen jeden Unfall schützt, liebe ich Niemanden als dich und bedarf keinesAndern, wenn ich auch noch so hart bedrängt werde."

Naama war entzückt über diese Verse und sagte:O Naam! bei meinem Leben,singe noch mehr!" Sie sang noch einige Verse, welche Naama mit Wonne erfüllten.

- Während sic aber ganz selig beisammensaßcn, ging der Statthalter Hadjadj im

! Schlosse damit um, sich Naams zu bemächtigen, um sic Abdulmalik, dem Sohne

Marwans, dem Fürsten der Gläubigen, zu schicken;denn," sagte er,der Chalif

hat kein schöneres Mädchen in seinem Schlosse und keines, das besser singt." Er ließdaher seine alte Haushälterin rufen und sagte ihr:Geh in die Wohnung Rabia'sund suche ein Mittel, seiner Sklavin habhaft zu werden, denn es gibt auf dem ganzenErdboden keine Ihresgleichen." Die Alte gehorchte Hadjadj, zog ein wollenes Kleidan und warf einen Rosenkranz von Perlen und Edelsteinen um den Hals.

! Sie nahm dann einen Stock in die Hand und einen Wasserschlauch aus Jemen undging zur Mittagsstunde, immer:Preis sey Gott! Lob sey Gott! Gott ist groß!" vorsich her murmelnd, vor die Wohnung Naama's und klopfte an die Thüre. Als derPförtner öffnete und sie fragte, was sie wolle, sagte sie:Ich bin ein armes frommesWeib; da jetzt Mittag ist, so wünschte ich in diesem gesegneten Hause zu beten." DerPförtner sagte:Hier ist kein Betört und keine Moschee, hier ist das Haus Naama's."Sie versetzte aber:Ich weiß wohl, daß hier Rabia's Haus ist, öffne nur, ich bindie Haushälterin ans dem Schlosse des Fürsten der Gläubigen." Der Pförtner wollte

Tausend und eine Nacht, u

93