Vierhundert und vierundfiinfzigste Vnchl. ^07
Geschichte des Gefangenen, den Gott befreite.
Ei» König, der ein hohes Schloß hatte, von welchem man auf das Gcfängnißsehen konnte, hörte einst in der Nacht, wie Jemand rief: „Allah, Beschützer derUnglücklichen, befreie mich!" Der König dachte, der Mann hofft, daß seine Schuld ihmerlassen werde, ich will einmal hören, was er verbrochen. Als mau ihm aber sagte,daß in diesem Gefängnisse nur Verbrecher, auf denen eine Blutschuld hafte, ciugesperrtsehen, ließ er den Mann vor sich kommen und sagte ihm: „Du einfältiger Mensch!wie kannst du bei der Größe deines Verbrechens aus diesem Gefängnisse befreit zuwerden hoffen?" Er übergab ihn dann seinen Leuten und befahl ihnen, ihn vor derStadt anfzuhäugen. Als aber die Leute ihn in der Nacht zur Stadt hinausführtcn,wurden sie von bewaffneten Räubern überfallen. Der Verurtheilte benützte diesen Umstandund floh in einen Wald. Aber bald fiel ein furchtbarer Löwe über ihn her, warf ihnzu Boden, riß dann einen Baum ans der Wurzel und legte ihn aus den Mann undlief fort, um sein Weibchen zu holen. Dcmungcachtct vertraute der Mann noch ausGottes Hülfe. Als er die Blätter des Baumes zurückschob, sah er sehr viele Gebeine'von Menschen, die der Löwe zerrissen hatte. Er sah auch einen Haufen Gold auf derErde liegen, den er zu sich steckte. Nach und nach gelang es ihm, unter dem Baumehervorzukriechen und aus dem Walde zu entfliehen. Er drehte sich, aus Furcht vordem Löwen, weder rechts noch links, bis er vor ein Städtchen kam; da legte er sichermattet nieder und ruhte aus bis Tagesanbruch, ging dann mit seinem Gelde in'sStädtchen und lebte dort mit Gottes Hülfe in der größten Zufriedenheit.
Mit diesen Worten schloß Schehersad ihre Erzählung. In der nächsten Nachtbegann sie, wie folgt:
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