Druckschrift 
2 (1839)
Entstehung
Seite
690
Einzelbild herunterladen
 

ßssO Vierhundert und fünfzigste Vacht.

v'or: Warum gehört das Kind nicht mir? mir gebührte doch seine Mutter und dieKrone eher als meinem Bruder. Dieser Gedanke brachte ihn so sehr auf, daß er ei»Messer aus der Tasche zog und dem Kinde in den Hals schnitt bis er es todt glaubte.Er ging dann in's Schlafzimmer seines Bruders und sah ihn an der Seite seiner Frausitzen; da dachte er: wenn ich ihn auch schlachte, so gehört seine Frau mir; er stürzteauf ihn los, schnitt ihm den Hals ab und lief nach dem Zimmer seines Vaters, ui»auch ibn zu tödten; da er aber nicht zu ihm gelangen konnte, verließ er den Palastund verbarg sich in der Stadt bis am folgenden Tage; dann flüchtete er sich auf einesder Schlösser seines Vaters und befestigte es. Als die Amme am folgenden Morgendas Kind säugen wollte, und es im Blute.schwimmend fand, schrie sie, daß alle Leuteim Schlosse erwachten. Der König selbst lief zu ihr und fiel in Ohnmacht, als erseinen Sohn und sein Enkelchcn geschlachtet sah. Als man indessen das Kind näheruntersuchte, fand man die Kehle noch ganz; auch gab es bald wieder Lebenszeichen vonsich und man konnte die Wnnde zunähen.

Sobald der König wieder zu sich kam, fragte er nach seinem Sohne Bahlawan,und als er hörte, Bahlawan sey entflohen, zweifelte er nicht mehr, daß seineigener Sohn dieses Verbrechen begangen, und dies vermehrte noch die Bestürzung desKönigs und des ganzen Hofs. Der König besorgte dann das Leichengewand seinesSohnes, ließ ihn ehrenvoll bestatten und große Trauer halten, seinen Enkel aber ließer bei sich erziehen, gewann ihn immer lieber, und sein einziger Wunsch war, Gottmöge ihn erhalten und einst an die Stelle seines Vaters auf den Thron setzen; auchalle Bewohner der Hauptstadt waren für dieses Kind, das, wie sein Vater, MalikSchah hieß, eingenommen und erblickten in ihm den einstigen Rächer ihres verehrtenund geliebten Thronerben. Bahlawan, der inzwischen sich in seiner Festung immermehr verstärkt hatte, blieb nichts mehr übrig, als seinen Vater zu bekriegen. Erwendete sich deßhalb an den griechischen Kaiser und bat ihn um Hülfe gegen seinenVater. Der Kaiser war ihm gewogen und schickte ihm viele Truppen. Als aber seinVater dies hörte, schrieb er dem Kaiser:Erhabener und mächtiger Sultan! stehedoch einem Uebelthäter nicht bei; Bahlawan ist mein Sohn, und hat nach vielen andernSchandthaten noch seinen Bruder und seinen Neffen in der Wiege ermordet." Als der Kaiserdieses Schreiben erhielt, ließ er Suleiman Schah sagen:Wenn du willst, o König!so schneide ich Bahlawan den Kops ab und schicke ihn dir." Suleiman Schahantwortete ihm aber:Ich will den Tod meines Sohnes nicht, seine Strafe wird ihnschon treffen, wenn nicht heute, so morgen;" dankte ihm indessen doch für sein Anerbieten