Druckschrift 
2 (1839)
Entstehung
Seite
686
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080 Vierhundert und ne»»»ndvicrznKe Nacht.

den König von der Wahrheit seiner Aussage zu überzeugen, entblößte der Prinz seineSchulter, an der noch der Biß des Löwen zu sehen war.

Der König ließ seine Freunde, die Sterndeuter und alle seine Offiziere znsaminenkommcnund sagte ihnen:Wisset, daß, was Gott Einem auf die Stirne geschrieben, es seyGlück oder Unglück, von Niemanden geändert werden kann; alle meine Vorsicht warvergebens, dieser Jüngling hier ist mein Sohn; er mußte erleiden, was für ihnbestimmt, und auch mich traf, was über mich verhängt war. Ich danke Gott, daß ichdurch meinen Sohn und nicht durch einen Fremden falle, und daß mein Reich in dieHand meines Sohnes übergeht." Er drückte dann seinen Sohn an sich, umarmte undküßte ihn und sagte:Mein Sohn, ich habe dich aus Vorsicht gegen die Bestimmungin jene Höhle gebracht, aber meine Vorsicht war vergebens." Er nahm dann seineKrone und setzte sie ihm auf den Kopf, und alle Anwesenden huldigten dem Prinzen.Dann empfahl ihm der König, gerecht gegen seine Unterthancn zu sepn, und starbnoch in derselben Nacht.

So weiß auch ich," sagte der Jüngling zum König,daß, was Gott auf meineStirne geschrieben hat, eintreffen muß, und alle meine Worte vermögen nichts dagegen;will aber Gott mich retten, so verschafft er mir den Sieg gegen die Viziere, wennsie sich auch noch so viele Mühe geben, mich zu verderben." Als der König dieshörte, blieb er wieder unentschlossen und ließ den Jüngling abermals in'ö Gefängnißzurückbringen.

Am zehnten Tage, welcher ein Festlag war, an dem alle Leute dem König ihreGlückwünsche darbrachtc», gingen die Viziere zu einigen Häuptern der Stadt und sagtenihnen:Wenn ihr heute dem König eure Aufwartung machet, so sagt ihm: O König,

du hast einen lobenswertheu Lebenswandel und bist gerecht gegen alle deine Unterthanen,aber warum läßt du den verworfenen Jüngling leben, der nach so vielen empfangenenWohlthatcn doch so verräthcrisch gegen dich gehandelt hat? Wie lange willst du nochwegen seiner listigen Reden ihn in deinem Palaste eingesperrt lassen? Du weißt nicht,was die Leute sagen; wir bitten dich, bringe ihn um und schaffe dir Ruhe vorihm." Die Häupter der Stadt versprachen den Vizicrcu ihren Beistand und gingenmit den übrigen Leuten zum König, verbeugten sich vor ihm und gratulirten ihm.Während aber alle Leute gleich »ach dem Gruße weggingen, blieben diese sitzen. Alsder König merkte, daß sie ihm Etwas mitzuthcilen hatten, sagte er ihnen in Gegenwartder Viziere:Tragt mir eure Angelegenheit vor." Da sprachen sie, wie die Vizieregewünscht hatten, und die Viziere unterstützten noch ihre Worte. Aber der König