Vierhundert und drciunddrcißigste Nacht.
621 !
sich hatte, auch wegen der Unsicherheit dieser Gegend nach allen Seiten Wachenausstcllte, war sie beim Anzuge der Räuber schon zur Gegenwehr gerüstet. DerKampf war heftig, doch zuletzt siegte die Karavane; ein Tbcil der Räuber blieb,einige entflohen und der junge Prinz ward gefangen. Als die Kaufleute den Jungenbetrachteten, der so schön und so lieb wie der Mond aussah, fragten sie ihn: „Werist dein Vater? und wie bist du zu diesen Dieben gekommen?" Er antwortete: „Ichbin der Sohn des Ränberhauptmanns." Die Kauflcute führten den Gefangenen vorden König Asad Bacht, seinen Vater, und erzählten ihm den ganzen Vorfall mitden Räubern.
Der König, ohne zu wissen, daß dieser Jüngling sein Sohn war, sagte doch, erwolle ihn behalten, worauf die Kaufleute erwiderten: „O König der Zeit! wir Alle
sind deine Sklaven." Der König entließ sie dann, nahm den Jungen zu vielen Andernin seinen Palast, und da er nach einiger Zeit viele Bildung, Verstand und Kenntnissean ihm wahrnahm, vertraute er ihm seine Schätze an, die bisher die Viziere verwaltethatten, und ertheilte Befehle, daß nichts ohne diesen Jüngling geschehe. Dieser Zustanddauerte zwei Jahre lang fort, in denen der König nichts als Gutes und Treues vonseinem Sohne sah; er liebte ihn daher immer mehr und konnte nicht mehr ohne ihnseyn. Als die Viziere, die früher nach Belieben mit dem Schatze umgehen konnten,sich durch den Jungen auf immer verdrängt sahen, wurden sie eifersüchtig und trachtetennach Mitteln, ihm die Gunst des Königs zu entziehen. Sie konnten lange keine Gelegenheitfinden, bis einst das Schicksal wollte, daß der Junge Wein trank, sich berauschte und,ohne etwas von sich selbst mehr zu wissen, in das Schlafgemach der Königin lief.Hier warf er sich auf das königliche Belt und schlief bis Abends. Da kam eine Sklavinund brachte, wie gewöhnlich, allerlei Früchte und Getränke für den König und dieKönigin. Der Junge lag da, ohne in seiner Trunkenheit zu wissen, wo er war, unddie Sklavin glaubte, es sey der König. Sie legte die Weihrauchpfanne neben das Bett, !schloß die Thüre und ging wieder fort. Bald darauf kamen der König und die Königin ^aus dem Speisesaal, und als Elfterer den Jungen im Schlafgemache fand, sagte er!zu seiner Gattin: „WaS thut der hier? der ist gewiß nur deinetwegen hierher gekommen."Vergebens betheuerte die Königin ihre Unschuld; der König konnte nicht glauben, daßhier nicht ein Einverständniß herrsche. Indessen erwachte der Jüngling, und als er denKönig erblickte, sprang er auf und verbeugte sich vor ihm, konnte aber auf die Fragedes Königs, wie er hierher gekommen und was er hier wolle, keine befriedigendeAntwort ertheilen.