Vierhundert und dreiundzwanzigste Nacht. - 583
des Königs ihr sagte: „Der König grüßt dich und wünscht dich bei sich zu scheu."Ihr Vater ließ sic, als sie mit dem Adjutanten vor ihm erschien, auf das Sopha auseine Seite sitzen und sagte zu ihr: „Wisse, meine Tochter, ich habe diese Nacht einenTranni gehabt, der mir Besorgnisse für dich einflößt." — „Was hast du im Traumegescbcn?" fragte die Prinzessin. „Ich habe im Traume eine Schatzkammer gesehen,' angefüllt mit Perlen und Edelsteinen, doch von allen Kostbarkeiten gefielen mir nur^ sieben Perlen. Von diesen sieben wählte ich die kleinste, die aber die schönste und klarste^ war; sobald ich aber, glücklich, sie zu besitzen, sic in die Hand nabm, da kam ein Vogel^ aus einem fremden Lande vom Himmel herunter gestürzt, nahm mir die Perle weg undkehrte wieder dahin zurück, wo er hergekommeu war. Dies machte mich so traurig,daß ich erwachte und noch wachend den Verlust der Perle bedauerte. Ich ließ daher dieTraumdeuter rufen und erzählte ihnen meinen Traum. Sie sagten mir: Du wirst diejüngste deiner sieben Töchter verlieren und zwar wird sie dir mit Gewalt entrissenwerden; diese bist du, meine Theucrste, und nun willst du zu deiner Schwester reisen;
! wer weiß, was dir zustoßen kann! Gehe also nicht, kehre wieder in dein Schloß zurück."Als Manar Alnisa die Worte ihres Vaters hörte, klopfte ihr das Herz aus Angstfür ihre Kinder; sie beugte eine Weile den Kopf, hob ihn dann gegen den König aufund sagte: „O edler König und mächtiger Herr! Die Königin Nur Alhuda hat^»ich cingeladen und erwartet mich jede Stunde, denn sie hat mich schon in vier Jahren^ nicht gesehen; wenn ich nicht zu ihr reise, wird sie böse werden; mache dir nur keine! Sorgen um meinetwillen; das Höchste ist, daß ich einen Monat von hier abwesend scynwerde, dann kehre ich, so Gott will, wieder. Wer erreicht denn dieses Land? Werdurchzieht die weiße Wüste, wer durchwandert die Inseln der Vögel, Thiere und Geister?Scp nur ruhig, Niemand kann unser Land betreten." So sprach sie fort, bis ihr derKönig erlaubte, abzureisen, und ihr tausend Reiter als Geleite mitgab, denen er befahl,auf sie zu warten und wieder zu ihm zurückzubringcn. Dabei ertheilte er ihnen auch denBefehl, die Prinzessin nur zwei Tage bei ihrer Schwester zu lassen. Manar Alnisanahm dann mit beklommenem, ahnungsvollem Herzen vom König Abschied und reiste, ausBesorgniß für ihre Kinder, ohne sich irgendwo aufzuhaltcn, drei Tage und drei Nächte durch.
Folgendes hatte sich inzwischen mit Hassan, der schon früher zu Nur Alhudageführt wurde, zugetragen. Sobald er seine Kinder sah, fiel er vor Freude bewußtlosnieder, aber auch in seinen Kindern regte sich die kindliche Liebe; sie entwischten ausdem Schooße ihrer Tante und fielen über Hassan her, und der erhabene Gott legteihnen die Worte: „O Vater!" in den Mund. Die Alte und alle Anwesenden, bis