Druckschrift 
2 (1839)
Entstehung
Seite
462
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Dreihundert und »eunmidachtzigste Nucht.

cs Jedermann vergönnt sep, ihn zu sehen; wer nun früher auf den Markt gekommenund den jungen Prinzen vor seinem Laden sitzen gesehen hatte, wunderte sich darüber,wie er, ein großmächtiger Prinz, das hatte lhun mögen.

Die Geschichte ward nun bekannt und die Leute sahen die Größe des mächtigenSultans. Auch der Prinzessin blieb dies nicht länger verborgen, sie sah von ihremSchloß aus Berg und Thal mit Truppen wimmeln, und sprach:Die Majestät istGottes!" Sie war aber noch immer ängstlich im Schlosse ihres Vaters und wußte nochnicht, was er ihr thun werde; auch fürchtete sie, der Prinz möchte sie vergessen, undder Gram um ihn verzehrte sie. Endlich sagte sie einer Dienerin, die bei ihr war:Geh zu meinem Herrn, dem Prinzen Ardschir, fürchte dich nicht, denn er hatbefohlen, man solle Niemanden zuriickweisen; wenn du zu ihm kommst, küsse ihm dieHände, sage ihm, daß du von mir abgesandt sehest, auch melde ihm, daß deine Herrinnoch im Schloß ihres Vaters unter Verwahrung ist und nicht weiß, was derselbe ihrthun wird; daß sie ihn bittet, doch auch ihrer zn gedenken, da er doch heute Allesvermag. Sage ihm, wenn er mich noch liebt, so soll er bei meinem Vater um michwerben und mir dadurch Beweise von seiner Liebe geben; hat er keine Freude mehran mir, so soll er seinen Vater bei dem meinigen für mich um Gnade bitten und nichteher ruhen lassen, bis ihm mein Vater versprochen hat, mir kein Leid zu thun. Gottmöge mir alsdann meinen Gram erleichtern! Bring ihm diesen Abschied und sageihm, daß die Liebe mich tödten und bald in's Grab senden wird." Die Dienerin gingzum Prinzen und gab sich zu erkennen. Der Prinz stand vor ihr auf, umarmte sieund hieß sie willkommen. Als sie ihm den Auftrag der Prinzessin bekannt gemacht,weinte der Prinz so heftig, daß ihm fast die Seele schwand; endlich sagte er ihr:Sage deiner Herrin, ich sep ihr Sklave und ihr Gefangener, liebe nur sie allein,und werde, bei Gott! nie unfern Liebesbund brechen; ich habe schon mit meinem Vatervon ihr gesprochen und werde nur mit ihr abreisen, denn ihr Vater wird sich demmeinigen nicht widersetzen." Die Dienerin kehrte mit dieser Botschaft zu ihrer Herrinzurück und erzählte ihr Alles, was vorgefallen. Die Prinzessin weinte vor Freude,lobte und dankte Gott. Als der Prinz Abends allein bei seinem Vater war und ihmAlles, was vorgefallen, vom Anfang bis zu Ende erzählte, fragte ihn derselbe:Nun,mein Sohn, was soll ich jetzt thun? Wenn du es verlangst, so laß ich ihr Landverwüsten und ihr Harem schänden." Der Prinz antwortete:Bei Gott! mir ist nichtsgeschehen, was eine solche Strafe verdient; übrigens hängt mein Herz an HaiatAlnufus, sie ist eine verständige Jungfrau, ich kenne sie seit langer Zeit, sie liebt