Druckschrift 
2 (1839)
Entstehung
Seite
455
Einzelbild herunterladen
 

Dreihundert und stebeiuinduchtzigstr Macht. ^55

Land gehst, könntest du mich vergessen, oder dein Vater könnte seine Einwilligung nichtgeben, und ich müßte sterben. Das Beste ist, wir suchen ein Mittel, daß wirZusammengehen können, und ich bleibe dann bei deinen Leuten." Sie brachten nochviele Tage und Nächte so beisammen zu, bis sie einst in der Nacht berauscht von Liebeund Wein süß schliefen und des Morgens nicht erwachten. An jenem Morgen schicktegerade ein König ihrem Vater kostbare Geschenke, worunter auch eine wcrthvollcHalskette aus Edelsteinen war, die dem König sehr gefiel. Er dachte daher bei sich:Diese Halskette ziemt Niemanden als meiner Tochter Haiat Alnufus.

Er rief dem Diener Kafur, dem sie so viele Zähne ausgerissen hatte, und sprachzu ihm:Kafur, nimm diese Halskette, bringe sie meiner Tochter, grüße sie undsage ihr, diese Halskette sey mir von einem König zum Geschenk gemacht worden, ich schickesie ihr, damit sie in ihrem Schatze verwahrt werde." Der Diener sagte:Dein Willeist mir Befehl," nahm die Kette und ging an die Thür ihres Gemachs; er fand sieaber geschlossen und die Alte vor der Thüre schlafend; er weckte sie auf und sprach zuihr:Liegt Ihr noch beim Hellen Morgen?" Die Alte erwachte und erschrack. Errief ihr zu:Oeffne die Thüre!" Sie aber fragte:Was willst du in dieser Stunde?"Er antwortete:Der König schickt mich zur Prinzessin, ich habe etwas bei ihr zuthun." Die Alte wandte sich rechts und links, endlich sagte sie:Ich habe die Schlüsselnicht bei mir, gehe einstweilen bis ich siebringe." Kafur ries ihr zu:Bring schnell dieSchlüssel her, denn ich eile und will hier warten." Da sie nun lange säumte und ersich vor dem König fürchtete, wenn er zu lange ausbleiben würde, zog er die Thüremit Gewalt an sich, bis das Schloß zerbrach und sie sich öffnete. Er kam dann aneine zweite Thüre, die offen war, und so an eine dritte und vierte, bis er endlich andie Thür ihres Gemachs kam; er sah darin ein hübsches Bett, Wachslichter und Wein,und erstaunte sehr darüber. So ging er immer weiter, bis er an den Thron gelangte,auf dem die Prinzessin lag; er war aus Elfenbein und vergoldet, und eine seideneDecke lag darüber; er hob diese auf und sah die Prinzessin darunter liegen, mit einemhübschen Manne, wie der Mond, im Arme. Er sagte:Bei Gott! ist es so weit mitder Prinzessin gekommen? darum haßte sic die Männer so, und riß mir die Zähneaus? Bei Gott! das soll dem König nicht verborgen bleiben." Er deckte sic wieder zuund ging nach der Thüre; in dem Augenblick erwachte die Prinzessin, erschrack, als sieKafur sah, und rief ihm nach; er gab ihr aber keine Antwort. Sie stieg schnell vomThrone herunter, holte ihn noch an der Thür ein,.hielt den Saum seines Kleides festund sagte:Kafur! verbirg, was Gott verborgen hat!" Er antwortete:Wer dich