Dreihundert »nd funfniidachtzigste Nacht.
einem Sopha mit Straußfedern gefüllt, im Glanze der Wachslichter und der Lampen,doch überstrahlte sic selbst das Licht der Sonne. Als sie die Amme sah, sagte sie: „Woist der Geliebte meines Herzens, der Gebieter meiner Seele?" Sie antwortete: „Herrin!ich konnte ihn nicht dazu bereden, aber hier bringe ich dir seine Schwester." DiePrinzessin sprach: „Du bist wahnsinnig, was soll ich mit seiner Schwester thun?"
Die Alte aber sagte: „O meine Gebieterin, sieh sie einmal an, ob sie dir gefällt;wenn nicht, so führe ich sie wieder weg."
Mit diesen Worten entschleierte sie ihr das Gesicht, und sieh da! es war der Prinz,der Geliebte ihres Herzens. Als sie ihn erkannte, stand sie ans, drückte ihn an ihre Brustund fiel in Ohnmacht. Die Amme bespritzte sie mit Rosenwasser und Kampherpulver,bis sie wieder zu sich kam; sie küßte ihn dann auf den Mund und zwischen die Augen,und sprach folgende Verse:
„Der Geliebte meines Herzens besuchte mich in der Dunkelheit, ich standehrfurchtsvoll vor ihm auf, hieß ihn sitzen und sagte ihm: O du meinVerlangen! mein einziger Wunsch! du besuchst mich in der Nacht, fürchtest du dieWächter nicht? Er erwiderte: Wohl fürchte ich sie, doch die Liebe ist Herrinmeines Herzens und Geistes. Wir umarmten uns und schliefen eine Weile sosüß, daß uns fast die Seele schwand. Doch dürft ihr uns nicht im Verdachtehaben: wir schütteln den Saum unsrer Kleider aus, und nichts Unreines istdarin."
Schehersad hielt inne, um die folgende Nacht fortzufahren: