Druckschrift 
2 (1839)
Entstehung
Seite
445
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Dreihundert und fünsundachtzigste Nacht,

Am folgenden Morgen suchte sie Jemand auf, der ihr Salben und Farben verkaufte,öffnete eine Kiste, nahm Frauenklcider heraus und ging damit zum Prinzen. Sie klopftean der Thüre; er kam zu ihr heraus, freute sich, sie wiederzusehen, und fragte sie, wiesie sich befinde? Sie sagte ihm:Mein Sohn, willst du eine Zusammenkunft mit derPrinzessin haben?" Er antwortete:Wie soll ich das nicht wünschen, da mein Lebendem Untergang nahe ist?" Sie hieß ihn hierauf seine Kleider ausziehen. Als er diesgcthan, bemalte und färbte sie ihm Hände und Füße, reichte ihm ein königliches Kleid,putzte ihn wie ein Frauenzimmer auf, gab ihm goldene Armbänder und lehrte ihn, wieer als Frauenzimmer gehen müsse. Er ging eine Weile vor ihr her und glich einerHuri aus dem Paradiese. Die Alte freute sich sehr und sagte:Nun bleibt noch einsübrig; du mußt nämlich recht herzhaft sepn, denn du kommst nun in ein königlichesSchloß und wirst viele Diener und Begleiter des Königs an der Thüre treffen. Wenndu zu schnell gehst, so ist's um uns geschehen. Hast du also nicht Muth dazu, so sagees, damit ich eine andere List ersinnen kann." Der Prinz antwortete:Wisse, meinVater ist ein Kaufmann, der gewöhnt ist, mit allen Leuten, auch mit Fürsten undKönigen, umzugehen; daö macht mir gar keine Sorge, sep nur frohen Herzens!"

Als er dies gesagt hatte, ging er voran und sie folgte ihm. Da das Schloß mitMenschen angefüllt war, sah ihn die Alte an, ob er in Verlegenheit gekommen, sie fandihn aber gar nicht verändert und er glich einer Huri. Sie war froh darüber. Alsder Pförtner sie sah, erkannte er sie, da er aber noch ein Mädchen bei ihr erblickte,dem weder die Sonne noch der Mond an Schönheit verglichen werden konnte, sagteer:Was die Alte betrifft, sie ist die Amme; was aber die betrifft, die mit ihr geht,so kenne ich Niemanden, der ihr gliche, als die Prinzessin, und die ist in ihrem Zimmer-bewacht. Ich möchte doch wissen, wie sie auf die Straße gekommen ist, sie geht ja nieaus." Er stand dann auf, um die Wahrheit zu erforschen, ihm folgten etwa dreißigDiener mit gezogenen Schwertern. Als die Alte dies sah, sprach sie:Ich bin Gottesund kehre zu ihm zurück, es ist um uns geschehen!" Der Pförtner erinnerte sich indessender Strenge der Prinzessin, ihn überfiel die Furcht, und er dachte: Gewiß hat ihr derKönig erlaubt auszugehen, ohne daß sic Jemand bewache, was liegt mir daran; undso kehrte er wieder mit seinen Dienern um. Die Alte aber ging mit dem Prinzenimmer vorwärts, und so oft sie Jemandem begegnete, grüßte sie ihn mit demKopfe.

So kamen sie nun von einer Pforte zur andern, bis sie endlich an die siebentekamen, welche in das größte Schloß führte, wo des Königs Thron war, von wo aus