Druckschrift 
2 (1839)
Entstehung
Seite
438
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4Z8 Dreihundert und dreiundachtzigfte Nacht.

sie sich stark, um wieder einen Blick auf ihn zu werfen; sie ward jedoch abermals vonder Liebe besiegt, die Pfeile seiner Augen trafen sie und sie verlor ihre Stärke. Sieergriff dann die Hand der Amme und sagte:In meinem ganzen Leben bedarf ich

deiner zum ersten Mal, und du vcrffigst mir deine Hülfe?" Die Amme antwortete:Bei Gott! meine Gebieterin, es ist kein schlechter Wille; gibt es für die Sklavin einegrößere Freude, als ihrer Herrin willfahren zu können? Ich fürchte, er wird michbeschämen und meine Bitte nicht anhören, ich möchte lieber sterben, als mit einerschnöden Antwort zu Euch zurückkehren. Doch ich will zu ihm gehen und in ihndringen."

Mit diesen Worten ging sie zum Prinzen, der die Prinzessin lachen gesehen hatte,und sagte ihm:Die Prinzessin ist von einer unauslöschlichen Flamme ergriffen, kommnur zu ihr und klage ihr deine Lage! Die Tage des Briefwechs elö sind nun vorüber,jetzt kommen die der Vereinigung und der Vorwürfe." Der Prinz machte sich auf,außer sich vor Freude wegen der guten Botschaft; er glaubte zu träumen und wolltesogleich mit der Alten zur Prinzessin gehen. Die Alte aber sagte:Halt, du gehst nochnicht mit, sie muß zu dir kommen; denn nun ist Pie Reihe an ihr, um Liebe zu flehen."Der Prinz sagte im Uebermaß seiner Liebe und in der Heftigkeit seiner Flamme:Laßmich doch zu ihr gehen und ihr gehorchen." Die Alte aber versetzte:Folge nur meinemRath und bleibe hier ruhig sitzen." Der Prinz gehorchte ihr ungern, und die Altekehrte allein zurück.

Als sie der Prinzessin nahe war, sprach diese:O Amme! ich sehe dich mit kaltemGesichte zurückkehren." Die Alte erwiderte:Habe ich dir nicht gesagt, er wird michbeschämen und nicht kommen wollen?" Die Prinzessin aber sprach:Wärest du mitErnst und ganzem Herzen zu ihm gegangen, er hätte sich nicht geweigert." Die Alteversetzte:O meine Gebieterin! als er im Anfang Lust hatte, wünschte er nichts mehr,als daß du ihm gnädigst erlauben möchtest, vor dir zu erscheinen; nun aber ist seineLust vorüber, und du verlangst nach ihm; komm also, wir wollen zu ihm gehen;vielleicht wird er sich vor dir schämen, wenn du selbst zu ihm gehst." Die Prinzessinsprach:O Amme! wie kann ich zu ihm gehen? ich bin eine Jungfrau, kenne nurmeinen Vater und dich, wie soll ich mich dem Hohn eines fremden Jünglings aussetzen?was soll ich ihm sagen? wie kann sich mein Auge zu dem seinigen erheben? wie meineZunge ihn anredcn? Das kann nie seyn, und müßte ich den Todeskelch trinken! Ichweiß kein Mittel und überlasse dir meine Angelegenheit." Die Amme sagte:O meineGebieterin! bei Gott! ich weiß kein anderes Mittel, als daß du zu ihm gehst,