Druckschrift 
2 (1839)
Entstehung
Seite
433
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Dreihundert und zweiuudachtzigste flacht.

Amme! der arme Vogel, wir haben ihm Unrecht gethan, und seinetwillen alle Männergchaßi; nun sehen wir, daß er unschuldig war. Bei Gott! ich will die Männer nichtmehr hassen."

Als die Alte merkte, daß kein Männerhaß mehr im Herzen der Prinzessin geblieben,sagte sie:Wir haben uns nun hier genug umgesehen: nun laß uns auch im Garten

zwischen den Bäumen spazieren gehen." Die Prinzessin machte sich auf, ging mit ihr,und man konnte so recht ihre Schönheit, Liebenswürdigkeit, ihren hübschen Wuchs unddas Ebenmaß ihrer Glieder bewundern, als ein Blick des Prinzen auf sie fiel. Erstarrte sie an und verlor seine Besinnung; seine Liebe zu ihr erreichte die höchste Stufeund er fiel ohnmächtig hin. Als er wieder zu sich kam und die Prinzessin verschwundenwar, seufzte er tief, starb fast vor Sehnsucht und sprach folgende Verse:

Als meine Augen ihre Reize sahen, ward mir Liebegcfcssclten ohnmächtig.

Ich ward wie ein Todtcr, der auf der Erde liegt, und incinc Geliebte wußtenichts davon. Sic ging fort und zerstörte ein Herz, von Liebe gebunden; o dürfteich doch nur ihr Sklave scpn! O Herr! vereinige uns bald und verschaffe mirHülfe durch meine Geliebte, ehe ich in's Grab steige. Ich werde nicht aufhörcn,sie zu lieben, bis sic mich tödtct; vielleicht wird sie daun Mitleid mit mirhaben und mich wieder in's Leben zurückrufen. Ich komme ihr zehn und zehnmalentgegen, doch Ihresgleichen kehrt sich nicht an meine Sehnsucht und Licbcspein.

O hilf mir durch ihre Liebe; denn, liebe ich ohne Hoffnung, so reicht mir dieLiebe den Todeskelch. Thräncn fließe» stets aus meinen verwundeten Augen,die der Blindheit nahe sind. Ich kenne keinen Schlaf in den langen Nächten,ich durchwache sic lieber, in meine Liebe vertieft. Selbst meine Feinde habe»

Mitleid mit mir, wenn sic den Gram sehen, den mir die Trennung verursacht.

Wenn nur die Zeit einen einzigen Tag der Vereinigung brächte, gerne wollteich ihr mein Leben geben und ihr Sklave werden. Gott beschütze die Vercinigungstagcund ihre Süßigkeit! nnd cs lebe die Zeit, die mein Verlangen stillt!"

Die Alte führte die Prinzessin auf allen Seiten des Gartens umher, bis sie wiederan die Stelle kamen, wo der Prinz verborgen war. Da rief sie:O du mit verborgenenReizen! wir haben nichts mehr zu fürchten." Als der Prinz diese Worte vernahm,verließ er die Stelle, wo er verborgen war, und trat in seiner ganzen Schönheit und inder Anmuth seines Wesens zwischen den Bäumen hervor, so daß seine Schönheit den Mondbeschämte. Die Prinzessin ging eben majestätisch einher, als ihr schöner Blick auf denPrinzen fiel. Sie betrachtete ihn lange, wie seine Augen die Sprache der Liebe redeten,wie seine Augenbraunen sich wölbten und seine Wangen sich färbten; sie fand ihn so

Tausend und eine Nacht n

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