Druckschrift 
2 (1839)
Entstehung
Seite
414
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! Dreihundert und stebenundstelienziglle Nacht.

aßen und tranken, und als sie fertig waren, betrachtete der Vezier den Garten unduntersuchte ihn von allen Seiten. Er sah ein altes Schloß mit hohen Mauern, dieaber gespalten waren und keinen festen Grund mehr hatten. Der Vezier fragte:O Alter! wem gehört dieses Schloß und dieser Garten? ist es dein Eigenthum oderhast du cs bloß gemiethet?" Er antwortete:Herr, ich bin bloß der Wächter." DerVezier fragte abermals:Wie viel Lohn hast du monatlich?"Einen Dinar."Da sagte der Vezier:Man thut dir Unrecht, besonders wenn du Frau undKinder zu ernähren hast."Herr," sprach der Alte, «ich habe acht Kinder undihre Mutter." Der Vezier sagte:Es gibt keinen Schutz und keine Macht, außerbei Gott, dem Erhabenen! Ich theile deine Sorgen, o armer Mann! Was sagst duzu dem, der deiner Familie willen dir Gutes erweist?" Der Alte antwortete:Wasdu auch mir thuest, mag Gott gefällig und dir selbst zum Besten werden." Da sagteder Vezier:Sieh Alter, in diesem so schönen Garten stebt ein altes zerfallenes Schloß,das sich gar schlecht ausnimmt; ich will es ausbessern, frisch weißen, hübsch anstreichenund meinen Namen auf die Thüre schreiben lassen." Der Alte fragte:Und was istdeine Absicht damit?"Damit," antwortete der Vezier,wenn du oder deine Kindercs sehen, ihr für mich betet und euch meiner zum besten erinnert; und wenn derEigenthümer kommt und dich fragt, wer das so hergestellt hat, du ihm antwortest:ich war es, Herr, ich wollte mit weißem Gesichte vor dir erscheinen, denn ich hoffte aufdeine Wohlthatcn; und gewiß wird er dir dann deine Auslage ersetzen und es wirdzu deinem Nutzen ausfallen." Er zog hierauf einen Beutel von fünfhundert Dinarhervor und sagte ihm:Nimm diesen Beutel, mach' es dir bequemer mit deinerFrau und deinen Kindern und sage ihnen, sie sollen nach jedem Gebete uns Guteswünschen."

Als der Alte das Gold sah, entfloh sein Verstand. Er warf sich dem Vezier unddem Prinzen zu Füßen, küßte sie und wünschte ihnen Glück. Der Vezier sagte:Dein Abschied wird uns wehe thun." ' Der Alte fragte:Wobin gehst du?" DerVezier antwortete:Nach Hause." Der Alte rief wehmüthig aus:So wird sichdieses edle Gesicht von mir wenden? Ich kann eure Trennung nicht ertragen, und ihrhabt mir ja versprochen, diesen Ort schöner Herstellen zu lassen." Der Vezier antwortete:So Gott will kommen wir morgen früh und trennen uns dann nicht mehr von dir, wederbei Tag noch bei Nacht," und ging fort. Der Prinz aber fragte:O Vezier, was

' Eine Abschiedsformel-