Druckschrift 
2 (1839)
Entstehung
Seite
402
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402 Dreihundert und dreiundllebenzigste Dacht.

aufdecken? oder wer darf nur davon reden?" Die Prinzessin versetzte:Selbst wirdürfen von solchen Dingen nur mit Besorgniß und Furcht sprechen."Nun," sagtedie Alte,schreibe ihm einen recht derben Brief, und sage ihm: wenn du mir nocheinmal schreibst, so laß ich dir den Kopf abschlagen." Die Prinzessin aber erwiderte:O meine Amme! ich fürchte, daß sich der Fremdling dadurch nicht abweisen läßt." Sieschrieb ihm dann folgende Verse:

O du, der die Zufälle des Schicksals nicht beobachtet, und dessen Herznach Vereinigung sckmacktet, hoffst du, o Getäuschter! den Himmel zu erreichenund den leuchtenden Mond cinzuholcn? Du wirst mehr Verachtung finden, alsdein Herz ertragen kann; schneidende Schwerter werden dir den Tod geben, einebrennende Flamme wird dick verzehren und der Schmerz deine Haare bleichen.

Drum nimm meinen Rath an, laß ab von der Liebe, der du dich hingegeben."

Sie warf zornig der Alten den Brief vor; diese legte ihn zusammen und brachteihn dem Prinzen, Als er ibn gelesen batte, beugte er den Kopf zur Erde, sagte nichtsund schrieb in seiner Verzweiflung mit den Fingern Worte vor sich hin. Da sagte dieAlte:Warum sprichst du nichts, mein Sohn?" Er antwortete:Was soll ich sagen?sie droht mir mit dem Tode und wird immer härter."Schreibe ihr nur wieder,"sprach die Alte,ich übernehme es, dir Antwort zu bringen; sep nur guten Muthes,ich werde^uch schon vereinigen!" Er dankte ihr und schrieb folgende Verse:

Bei Gott! erweicht sich dein Herz nicht für einen Liebenden, der nachVereinigung schmachtet? Meine Augen find entzündet, denn fie vergießen jedenAbend blutige Thränen. O sey doch mild und gütig gegen einen aus Liebe umdeine Reize Verzweifelten, der die ganze Nacht schlaflos zubringt, weil er,o Schöne! liebevoll an dir hängt. Zerstöre nicht die Hoffnungen eines Herzens,das nur für dich schlügt, gramvoll und abgehärmt ist! Bei Gott! verschmähenicht länger den, der den Strahl deiner Augen sucht, um fein trunkenes Herzdaran zu erquicken."

Da bemerkte Schehersad den Tag und hörte auf zu erzählen, um die folgendeNacht fortzufahren: