Dreihundert und eiiiuiidftebenzWe Nucht.
schonen Arbeit und sagte: „Bei Gott! das ist was Wunderbares! was kostet daS, oVollkommener an Eigenschaften?" Er antwortete: „Es kostet nichts, nimm es nurund fürchte nichts!" Sie sagte: „O mein Freund! laß doch diese Reden und sage mir,was es kostet!" Er antwortete: „Das weiß nur Gott! aber, beim Allmächtigen! ich nehmenichts dafür, sondern ich mache es der Prinzessin zum Geschenke für die Gastfreundschaft,die ich hier finde; dieses Kleid ziemt nur ihr." Als die Alte diese Rede hörte, sagte sie:„O mein Freund! wisse, daß Aufrichtigkeit die höchste Tugend ist; was du hier sagst,hat gewiß irgend einen geheimen Grund, drum erkläre dich mir und vertraue mir deinGeheimniß, vielleicht kann ich dir in deiner Angelegenheit bchülslich scpn." Der Prinzergriff hierauf ihre Hand, erzählte ihr seine ganze Geschichte und vertraute ihr seineLiebe zur Prinzessin, nur gestand er nicht, daß er ein Prinz sey. Die Alte schüttelteden Kopf und sagte: „Das ist nun die Wahrheit; aber, mein Sohn, du bist doch nurein junger Kaufmann, und wenn du auch noch so viele Schätze besitzest. Verhehle mirnicht, wer du bist; du behauptest, du seyest ein Kaufmann, ich sage dir jedoch, sobaldein Kaufmann eine Stufe nur über seinen Rang sich erheben will, so strauchelt er. Drum,mein Sohn, wirb um die Tochter eines Kadhi, oder eines Offiziers, oder eines Kaufmannsdeinesgleichen. Aber, mein Sohn, wie kannst du deine Augen zur Tochter des Königs derZeit, der Perle des Jahrhunderts, erheben, zu einer Jungfrau, die noch gar nicht weiß, wiedie Welt beschaffen ist, wie die Strauße gebaut sind; die in ihrem Leben nichts als ihrSchloß und das Gemach gesehen, in dem sie wohnt, und die Citadelle ihres Vaters; dieaber doch- trotz ihrer Jugend sehr klug, verständig und geistreich ist und das schönsteBetragen hat, so daß ihr Vater, der mächtige König, von allen seinen Kindern nur sieliebt, und so oft er vom Schlafe erwacht, sie besucht, ihr leuchtendes Antlitz küßt undnichts ohne ihren Rath beschließt; daher auch Alle, die ihr und ihres Vaters Schloßbewohnen, sie sehr fürchten. Auch wage ich es nicht, mein Sohn, mit ihr von etwasder Art zu sprechen. Dafür kann ich gar nichts thun, mein Sohn, so sehr auch meinFleisch, mein Blut, meine Gebeine und Glieder mit dir Mitleid fühlen. Gewiß, könnteich dich mit ihr vereinigen, ich würde es um deinetwillen auf Gefahr meines Lebensthun; willst du, so werde ich um das vornehmste Mädchen in der Stadt für dichwerben." Der Prinz antwortete: „Ich kenne keinen Ersatz für sie; bei Gott! meinHerz sehnt sich nur nach ihr. Die Liebe zu ihr tödtet mich, ich bin hoffnungslos, ganzrasend vor Liebe! Bei Gott! meine Mutter, habe Mitleid mit mir Fremden undmildre meinen Jammer! ich werde dich reich dafür belohnen!" Die Alte sagte: „BeiGott! mein Sohn, mein Herz spaltet sich um deinetwillen; doch weiß ich nichts für dich