Druckschrift 
2 (1839)
Entstehung
Seite
390
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ZflO Dreihundert und siebenzigstc Ducht.

geschaffen, und sagten:Gelobt sep Gott, der diesen Jüngling geschaffen! Wessen Sohnist er? aus welchem Lande? das ist kein Mensch, das ist ein wahrer Engel!" Es wurde

sehr Vieles über den Prinzen gesprochen. Einer sagte:Der Wächter des Paradieses

war nachlässig, und dieser ist daraus entflohen!" Ein Andrer sagte:Er ist ein Engel!" !Ein Dritter sagte:Er ist ein Djinn!" Alle Leute blieben auf beiden Seiten stehen ^und sahen ihm »ach, denn er war so hübsch, wie der Dichter sagt:

O d», dessen Blicke in Liebe schmachten, dessen Schönheit Vornehme undNiedrige beschämt! die Menschen sind ans Wasser und Erde geschaffen, du aberans Licht und Glanz! Sprichst du, so vermehrt sich mein Schmerz, und schweigst

du, so wächst meine Sehnsucht. Du bist aus dem ewigen Paradiese gestohlen

worden, während der Engel Radhwan nachlässig wachte."

Als sic auf den Bazar kamen, trat ihnen ein alter ehrwürdiger Mann entgegenund sprach zu ihnen:Meine Herren! wer ist dieser Jüngling?" Der Vezier fragte:Wer sepd Ihr?" Der Alte antwortete:Ich bin der Oberste des Bazars." Da sagte derVezier:Dieser Jüngling ist mein Sohn, mit dem ich alle Länder bereise und in jedergroßen Stadt ein Jahr verweile, damit er den Handel und die Sitten der Bewohnerkennen lerne." Der Andere sagte:Wohl!" und ließ ihm am schönsten Orte einen Ladeneinräumcn. Der Vezier befahl den Dienern, zu reinigen, eine Matraze herzurichten, diezehntausend Dinar werth war; darauf legte er einen goldgestickten Uebcrzug mit goldnenKissen und eine lederne Lehne, mit Gold verziert und mit Straußfedern ausgestvpft.Der Vezier stand vor dem Prinzen und andre Jünglinge wie Gazellen umgaben ihn.Der Prinz aber sah wie der Vollmond aus und wie ein Zweig in seinem Wüchse, dieSchönheit zierte ihn von allen Seiten. Der Vezier empfahl ihm dann, sein Gcheimnißzu verwahren, indem nur so der Zweck erreicht werden könne, ließ ihn allein im Ladenund ging nach Hause. Wer nun auf den Bazar kam,, betrachtete den schönen Prinzen,und bald sprach man in der ganzen Stadt so viel von ihm, daß alle Leute kamen, anihm zu sehen, was Gott an Schönheit, Liebenswürdigkeit, Wuchs, Ebenmaß u. s. w.geschaffen. Dieser Bazar war zuletzt so gedrängt voll, nicht von Käufern und Verkäufern,sondern von Leuten, die den Prinzen sehen wollten, daß man kaum dnrchkommenkonnte. Der Prinz sah sich auch nach allen Seiten um und suchte Etwas von seinerGeliebten zu hören, was ihm aber nicht gelang; sein Liebesschmerz nahm so zu, daß erdie Süßigkeit des Schlafes nicht mehr kostete, und doch durfte er nicht nach seinerGeliebten fragen.