Dreihundert und achtundsechzigste Nacht. ZZH
einer von den Großen der Erde gekommen ist, der dein Gemahl zu werden wünscht,was sagst du dazu? Merke dir ihre Antwort und bringe sie mir!" Kafur ging undsagte: „Es gibt keinen Schutz und keine Macht, außer bei Gott, dem Erhabenen undMächtigen! Bei Gott! ich habe nur noch zwei Zähne, um essen zu können." Die Prinzessinhaßte nämlich die Männer so sehr, daß, so oft Kafur im Namen ihres Vaters kam,„in ihren Willen über eine Ehe zu erfragen, sie auf ihn losging und ihm zwei Zähneausriß, bis ihm zuletzt nur noch zwei blieben. Als er vor ihr Gemach kam, dachte ereine Weile nach, ob er hineingehen solle oder nicht. Die Prinzessin war eben aufgestandenund ließ sich von den Dienern goldne, mit Perlen besetzte Pantoffeln anziehen. Sie sahihn, wie er sich nahte; er aber entfloh vor ihr. Sie rief ihm zu: „Bleibe nur! bei Gott,wenn du mir nahe kömmst, reiße ich dir die übrigen Zähne auch aus!" Auch befahl sieden Dienern, ihn fest zu nehmen, er aber lief schnell zum König wie ein Rasender.Der König fragte ihn: „Wer verfolgt dich?" Er antwortete: „Herr, ich habe so ebenglücklicherweise noch meine übrigen Zähne gerettet." Da sagte der König zum Vezier:„Du hörst und siehst, entschuldige uns daher bei deinem Herrn, und sage ihm: MeineTochter liebt die Männer nicht, sie will durchaus nicht heirathen, und wenn ich siezwingen wollte, so würde sie sich umbringen." Der Vezier kehrte hierauf wieder nachseinem Lande zurück, ohne etwas bezweckt zu haben. Das ist's, was ihn betrifft. DerPrinz Ardschir indessen hatte sich gleich nach der Abreise des Veziers in seine Wohnungbegeben; als es Nacht ward, brannte eine mächtige Flamme in seinem Herzen, heißeSehnsucht bemächtigte sich seiner, er mußte zu Bette gehen, konnte weder essen nochtrinken; er war höchst niedergeschlagen und in Wehmuth versunken, und die Thränenflössen wie Regen über seine Wangen. In seinem Schmerze recitirte er folgende Verse:
„Feindlich fällt die Nacht über den Verzweifelten her und bringt Schmerzen undglühende Seufzer in mein Herz. Fraget die Nacht nach mir, sie wird euch sagen,welche Liebespein in mir wohnt. Ich bin betrübt, verlassen, fremd, ohne Frauund Kind und so krank, daß ich die Sterne der Nacht nicht mehr sehen mag; ichhabe alle meine Geduld verloren und finde keinen Trost in meinem Trennungsschmerze.
Doch will ich menie Qualen und meine Pein nur Gott allein und sonst Niemandenklagen."
Hier endigte Schehersad ihre Erzählung und begann in der nächsten Nachtfolgendermaßen:
Tausend und eine Nacht. II.
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